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ARTE 07.08.2006 22:35
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Der unbekannte Revolutionär
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Der ehemalige Rechtsanwalt Fidel Castro herrscht seit 1959 fast unbeschränkt über Kuba.
(Bild: BR / Roberto Salas)
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(tsch) Sein Markenzeichen: der zerzauste Bart und die grüne Uniformjacke. Seine Mission: Kuba als sozialistisches Bollwerk und Stachel im Fleisch der verhassten US-Amerikaner zu erhalten. Fidel Castro, der seit fast 45 Jahren die Geschicke des kleinen Inselstaates bestimmt, begann als Revolutionär, entwickelte sich zum Staatsmann und endete schließlich als Diktator und greiser Mahner vor den Auswüchsen des Kapitalismus. Castro, der am 13. August sein 80. Lebensjahr vollendet, ist zudem ein gewiefter Stratege und ein ausgekochter Publicity-Profi, wie Philip Selkirk bei den Recherchen zu seiner Dokumentation "Castro" erfuhr. Der BR zeigte das aufschlussreiche Porträt des "Maximo Leader" vor zwei Jahren zum ersten Mal im Fernsehen, nun wird der Film bei ARTE wiederholt.
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Che Guevara war lange Zeit Fidel Castros treuer Mitkämpfer. Als Wirtschafts- und Industrieminister leitete er die Umgestaltung Kubas zum sozialistischen Staat ein.
(Bild: BR / Roberto Salas)
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Leicht war es für Selkirk nicht, an Fidel Castro heranzukommen. Medienvertreter haben auch auf der sozialistischen Insel einen schweren Stand. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" bezeichnete Kuba kürzlich gar als "weltgrößtes Gefängnis für Journalisten". Der Berichterstattung aus dem Ausland steht Castro besonders kritisch gegenüber. Interviewanfragen weist der greise Staatschef in der Regel kategorisch zurück, und wenn er doch ein Gespräch gewährt, dann lässt er den Fragesteller geschickt ins Leere laufen.
Ein besonders eindrucksvolles und gleichzeitig abschreckendes Beispiel für diese Taktik lieferte Oliver Stones weitgehend unkritischer Dokumentarfilm "Comandante" (2002), in dem der amerikanische Regisseur Castro in einem unangemessen hellen Licht erstrahlen ließ.
Philip Selkirk stellte sich geschickter an. Bei seinen Recherchen in Deutschland lernte er die Tochter von Castros langjährigem Mitstreiter Che Guevara kennen. Sie vermittelte ihm den Kontakt zu Castros persönlichem Kameramann Roberto Chile. "Chile hat für uns gefilmt, Interviewpartner organisiert und uns sogar den Zugang zum Filmarchiv des kubanischen Staatsrats ermöglicht. Ohne ihn wären wir aufgeschmissen gewesen", erklärt Selkirk. In seinem Dokumentarfilm verzichtet der Brite bewusst auf eine politische Wertung. "Wir wollen Castro weder feiern noch verdammen. Die Realität auf Kuba ist zu komplex, als dass man sie schnellen Werturteilen unterwerfen könnte."
So ist ein hochinteressantes Porträt eines Mannes entstanden, der in seiner Heimat einerseits als Volksheld, andererseits als verhasster Tyrann gilt. Selkirk zeichnet - teilweise mit bisher außerhalb Kubas nie gezeigtem Archivmaterial - Castros Entwicklung vom Sohn eines wohlhabenden Grundbesitzers zum überzeugten Sozialisten nach. Der Schwerpunkt des Films liegt allerdings auf der Analyse der aktuellen politischen Situation. Zu Wort kommen sowohl Vertreter der kubanischen Staatsmacht als auch Regimekritiker, die von ihrem Exil in Florida aus auf den Sturz Castros hinarbeiten.
Wahrscheinlich genügt es auch einfach, noch ein paar Jahre Geduld zu haben. Für die Zukunft eines sozialistischen Kubas nach dem Tod Castros sieht Philip Selkirk schwarz. Dessen designierter Nachfolger - sein Bruder Raùl - sei einfach nicht volksnah und charismatisch genug. "Außerdem haben die Kubaner durch den Tourismus auf ihrer Insel eine Ahnung vom süßen Leben in der ersten Welt bekommen. Sie werden dorthin drängen - und wer sollte sie nach Castro aufhalten können?"
Tobias Köberlein
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