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| Event: Der 9/11 Themenabend |
kabel eins 11.09.2007 20:15
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Das Grauen wird gegenwärtig
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Tom Burnett (Greg Benson) versucht verzweifelt, seine Frau anzurufen.
(Bild: kabel eins)
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(tsch) Aus dem Schrecken vom 11. September 2001 gingen viele Helden hervor: die New Yorker Feuerwehrmänner, Polizisten, Sanitäter und Passanten, die couragiert zu Hilfe eilten und dabei oft ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten. Aber nicht nur in den Straßenschluchten, auch hoch in der Luft wurde gegen die Folgen der schrecklichen Terroranschläge gekämpft. Regisseur Bruce Goodison beschreibt in der sehenswerten, mit einem Emmy nominierten Event-Doku "Die Helden von Flug UA 93" (2007) den "Widerstand über den Wolken". Der aufwühlende 100-Minüter, den kabel eins in Erstausstrahlung zeigt, ist eine von insgesamt drei Dokumentationen, die im Rahmen des "9/11 Themenabends" das Grauen jenes denkwürdigen Tages vor sechs Jahren erneut heraufbeschwören.
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Die Passagiere wissen noch nicht, dass bereits zwei Passagierflugzeuge ins World Trade Center geflogen sind.
(Bild: kabel eins)
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Diese Bilder gehen unter die Haut. Schon die erste Einstellung jagt Schauer über den Rücken. Ein Flugzeug nähert sich langsam, steuert zielsicher auf den Zuschauer zu. Immer schneller rast es einem entgegen, der Lärm der Motoren tost immer lauter. Dann plötzlich Stille. Der Bildschirm ist schwarz. In weißen Letter steht dort: "Dieser Film ist 40 Männern und Frauen gewidmet, die zusammen eine Nation vor einer weiteren Tragödie bewahrten." Was dann folgt, ist die Geschichte von Menschen, die eher unfreiwillig zu Helden wurden, die ihren letzten Mut zusammennahmen und ihr Leben für andere opferten, auch weil sie wussten, dass sie ohnehin dem Tod geweiht waren.
Im Zeitraffer, mit schnellen Schnitten und moderner Musik beschreibt Bruce Goodison den regen, alltäglichen Betrieb am Airport von New Jersey. Für Tom Burnett ist es ein ganz normaler Morgen. In wenigen Stunden geht der Flieger, der ihn vom Geschäftstreffen in New York nach Hause zu seiner Familie bringen wird. - "Ich komme etwa um 11.30 Uhr an. Ich liebe Dich", gibt Lauren Grandcolas am Telefon ihrem Ehemann Bescheid. Die Stewardess Sandy Bradshaw erhält letzte Instruktionen für den Flug, den sie gleich begleiten wird. Da ist Deora Bodley. Gerade noch diskutierte die junge Frau im Auto mit ihrem Vater philosophische Fragen. Jetzt wartet sie aufgeregt auf den Check-In. Und da ist Mark Bingham, der im Cabrio zum Flughafen rast. Wäre er doch nur im Stau stecken geblieben. Denn es ist Flug 93, den er da gerade noch, zehn Minuten vor Abflug, erreicht. Jenes Flugzeug, das am 11. September von al-Qaida Terroristen entführt wurde und abstürzte.
Wie in einem spannenden Hochspannungsthriller lässt Goodison den schrecklichen Tag in nachgestellten Szenen Revue passieren. Er zeigt, wie sich die Attentäter schweigend in ihrem abgedunkelten Hotelzimmer auf ihre tödliche Mission vorbereiten. Wie sie sichtlich angespannt die Sicherheitskontrolle passieren, wie die Nervosität kurz vorm Check-In ins Unermessliche steigt. Dazwischen blendet Goodison immer wieder Interviews mit Freunden und Familienmitgliedern der Opfer ein, zeichnet ein Bild der Menschen, die von den religiösen Fanatikern als lebende Bomben benutzt werden sollten. Doch als den Passagieren bewusst wurde, dass es sich um ein Selbstmordkommando handelte, beschlossen sie, nicht tatenlos in den Tod zu gehen. Männer und Frauen gleichsam bewaffneten sich mit Feuerlöschern, mit Kannen voller kochendem Wasser und mit ihrem verzweifelten Mut. Durch den unerwarteten Angriff konnten die Entführer ihre Mission nicht zu Ende bringen, und die Maschine stürzte nicht über dem Washingtoner Kapitol, sondern über einem Feld in Pennsylvania ab.
Der Film spitzt sich von Minute zu Minute zu. Die Schnitte werden immer schneller. Verwackelte Kamerabilder wechseln mit Archivaufnahmen der brennenden Twin Towers, von verletzten Menschen und panischen Augenzeugen. Um auch bei den Schauspielszenen an Bord der Maschine deutlich zu machen, dass es sich hierbei um wahre Ereignisse handelt, wurden die Bilder mit originalen Stimmaufnahmen der Passagiere vertont. Ihnen war es erlaubt, mit Angehörigen zu telefonieren.
Familienmitglieder und Freunde erlebten somit das Grauen im Flugzeug beinahe hautnah mit. Auf den Black-Box-Aufnahmen, die das FBI für die Dokumentation zur Verfügung stellte, sind Schreie, Gebete und Kampfgeräusche zu hören. In Originalton erklingen die Stimmen der Kidnapper: "Ladies and gentleman, we have a bomb on board, so sit." Die Passagiere sprechen über das Handy oder das Bordtelefon ein letztes Mal mit ihren Kindern, Frauen, Ehemännern, mit ihren Eltern und Geschwistern, bevor sie sich ihrem Schicksal ergeben. Ihre Abschiedsworte auf Band sind das Einzige, was den Angehörigen blieb.
Wer nach diesem erschütternden Beitrag noch die Nerven hat, den erwartet im Anschluss, um 22.20 Uhr, das "K1 Extra: Überlebt im Nordturm - Das Wunder vom 11. September". Die britische Dokumentation von 2007 handelt von einem der wenigen Wunder, die es an diesem Tag gab, nämlich von 16 Menschen, die nach dem Zusammensturz des Nordturms stundenlang unter 500.000 Tonnen Schutt begraben lagen und dennoch überlebten. Um 23.20 Uhr schildert die "K1 Doku: 9/11 Chaos am Himmel - Als Amerika den Luftraum räumte" die Schrecken des 11. Septembers aus Sicht der Fluglotsen, die an jenem Tag an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stießen. Ein Abend des realen Grauens.
Nina Fischer
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