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| Friedrich Hollaender - Zwischen dem Woher und dem Wohin |
Klassik
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"Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt ...": Der Song, den Marlene Dietrich im "Blauen Engel" sang, stammte - natürlich - von Friedrich Hollaender. Wie so vieles in den Goldenen Zwanzigern, als der Kabarett- und Revuemacher die Bühnen Berlins bespielte. Den Tonfilm nicht zu vergessen. Er war einer der berühmtesten Komponisten und Autoren im Vorkriegs-Berlin, vertonte Texte von Tucholsky, Mehring und Klabund für Kabaretts wie "Schall und Rauch", Trude Hesterbergs "Wilde Bühne" und Rosa Valettis "Größenwahn" und eröffnete sein eigenes "Tingel-Tangel-Theater" im Theater des Westens. 1933 floh er vor den Nazis über Paris nach Amerika.
Als er 1955 nach Deutschland zurückkehrte, war seine Zeit vorbei. Hollaender versuchte an seine früheren großen Erfolge anzuschließen. Er schrieb mehrere "Musikdramen", Musical-artige Tongebilde, sehr romantisch, nicht ohne Charme, aber uferlos, was alleine die Aufführungszeit anbetraf. Doch auch die vielen Nummern aus "Adam und Eva", einer komischen Variante der Schöpfungsgeschichte, aus "Scherzo", worin ein Künstler durch einen Pakt mit dem Teufel die Seele verspielt, und aus "Das Blaue vom Himmel" zeugen noch immer von Hollaenders musikalischem wie sprachlichen Witz. Teils nur bei Tonband-Demos in Hotelhallen, teils an Provinzbühnen, teils gar nicht aufgeführt, berühren die Melodien, die Hollaender in alten Tondokumenten auf dem Klavier sprudeln lässt - mal in Boogie-, mal in Wiener-Walzer-Manier, überirdisch schwelgend. Schade, dass Hollaenders Stimme zur Klavierbegleitung nicht erhalten ist. Wie das gewesen wäre, lässt die vorangestellte Berliner Aufnahme vom "Tangogeiger" (1930) ahnen. Man erlebt einen Kobold mit heller Stimme, ein Theaterblut von sarkastischem Witz. Aber auch so ist diese CD mehr als nur eine archivarische Kuriosität, eine Hommage an einen Künstler, der auch nach seiner Rückkehr niemals aufhörte, ein Genie zu sein.
Hans Czerny
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