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Ronald Zehrfeld
spielt Klaus Störtebeker in "12 Meter ohne Kopf" (Kinostart: 10.12.)
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"Ein bisschen Störtebeker ist wohl in jedem von uns", glaubt Ronald Zehrfeld.
(Bild: 2009 Warner Bros. Ent / Wüste Film / Britta Krehl)
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Als Ronald Zehrfeld jung und unerfahren war, schaute er aus dem Publikum hinab auf die schöngeistigen Mimen, deren Lebensart er nicht verstand. Mittlerweile hat der 32-Jährige mehrere Stücke unter der Regie des legendären Peter Zadek, der im Juli verstarb, absolviert. Der Sprung ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gelang ihm bereits vor drei Jahren, als er neben Max Riemelt und Jessica Schwarz in Dominik Grafs "Der rote Kakadu" auftrumpfte. Nun ist er in seiner ersten großen Hauptrolle zu sehen: Dass er zart und rau zugleich kann, zeigt er als Klaus Störtebeker, Deutschlands berühmteste wie berüchtigtste Seeräubergestalt, in "12 Meter ohne Kopf" (Kinostart: 10.12.). Im Interview spricht Zehrfeld über die Zeitlosigkeit seiner Piratenfigur und weshalb er wirklich den Schauspielberuf ergriffen hat.
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Matthias Schweighöfer (als Gödeke Michels) und Ronald Zehrfeld (als Klaus Störtebeker) spielen die Hauptrollen in "Zwölf Meter ohne Kopf".
(Bild: 2009 Warner Bros. Ent / Wüste Film / Britta Krehl)
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VIVA: Wie kommt ein gestandener Theatermime wie Sie dazu, den Piraten Klaus Störtebeker auf großer Leinwand zu portraitieren?
Ronald Zehrfeld: Das ist aber nett, dass Sie mich als gestandenen Theatermimen bezeichnen: Ich denke, da brauch ich noch ein bisschen ... Aber ich musste, wie das so üblich ist für einen Schauspieler wie mich, der mehr Theater- als Kinoerfahrung hat, ganz normal vorsprechen. Die Entscheidung für mich fiel beim Casting offenbar aufgrund meiner körperlichen Ausstrahlung und meiner gesamten Erscheinung. Und als ich im zweiten Schritt gemeinsam mit Matthias Schweighöfer einige Szenen gespielt habe, hat es richtig gerockt.
VIVA: Wieso gab das den Ausschlag?
Zehrfeld: Im Film geht es um eine intensive Männerfreundschaft. Störtebeker und Gödeke Michels kennen sich seit ihrer Geburt, sie kennen sich nackt, sie kennen ihre Hintern, ihren Geruch, wie sie pupsen und schnarchen. Sie passen einfach zusammen. Und man sollte vielleicht gestandene Seemänner aus der Zeit von Hans Albers fragen, wie es wirklich war, wenn man vier, fünf, sechs Wochen am Stück auf See war. Solche Freundschaften sind wie Ehen. Und das mussten wir natürlich irgendwie rüberbringen.
VIVA: Sie wurden mal als warmherziger Bär beschrieben, der auch kräftig ausrasten kann. Gefallen Ihnen solche Beschreibungen?
Zehrfeld: Da habe ich doch schon mal was, mit dem ich arbeiten kann (lacht). Warmherzig ist für mich einfach nett, vielen Dank. Da ist nichts Abstoßendes oder Ekelhaftes dran. Es gibt doch immer noch zu wenige warmherzige Menschen. In dem Wortschatz unserer heutigen Gesellschaft kommen mir zum Beispiel zu wenig die Worte "Bitte" und "Danke" vor. Man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man anderen Menschen gegenüber einfach mal netter ist. Dann hören die Leute einem auch viel besser zu und sind offener. Dazu gehört natürlich auch Respekt. Und wenn man anderen Menschen den nicht entgegenbringt, kann auch ein kuscheliger Bär zum Raubtier werden.
VIVA: Wie viel Störtebeker ist dann in Ihnen?
Zehrfeld: Ich habe versucht, ihn so zu verkörpern, wie ich mir die Figur erarbeitet habe. Ein bisschen Störtebeker ist wohl in jedem von uns. Er hat eine unbändige Kraft, die ihn vorantreibt. Für mich war es wichtig, die Facetten des Mannes zu zeigen. Sowohl die harten wie auch die zarten, nachdenklichen Seiten eines Mannes, der sehr gut in der Lage war, seine Gegner jederzeit einen Kopf kürzer zu machen. Aber es gibt halt bei jedem Situationen im Leben, in denen man seinen eigenen Werdegang reflektiert und Entscheidungen trifft. Und genau darum geht es bei "meinem" Störtebeker: Er wird sich zwischen dem abenteuerlichen, gefährlichen Leben als Seeräuber oder dem sicheren Hafen der Liebe entscheiden müssen.
VIVA: Also geht es um ganz gegenwärtige Probleme ...
Zehrfeld: Das ist doch genau das Spannende an der Geschichte. Egal, in welcher Epoche - Menschen haben Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen. Unsere Geschichte spielt im 14. Jahrhundert, wir tragen wallende Kostüme, Schwerter und haben Dreck unter den Fingernägeln. Doch die moderne Sprache unterstützt die Vision des Films, dass es im Grunde um ein paar Kerle geht, die in trauter Freundschaft Abenteuer erleben, sich am Ende aber entscheiden müssen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen.
VIVA: Wie hoch war die Gefahr, dass die Handlung durch die Anleihen bei der modernen Sprachkultur zu klamaukig werden könnte?
Zehrfeld: Für mich war es interessant, dies im Arbeitsprozess mit dem Regisseur herauszufinden. Da mussten wir während der Dreharbeiten natürlich vollkommen Sven Taddicken vertrauen. Ich sehe mich da als reines Spielvieh. Taddicken hat aber ein beneidenswertes Gespür dafür bewiesen, die Grenze zum Klamauk nicht zu überschreiten. Schließlich hätte er ja auch einen ganzen Film voll von ulkigen Kampfszenen drehen können, wo sich ein paar Buddys gegenseitig die Bälle zuschieben. Doch der Reiz des Films besteht darin, dass genau hingeschaut wird, welche Menschen sich hinter den einzelnen Piratencharakteren verbergen, die weit mehr sind als Karikaturen. Die moderne Sprache sorgt hier dafür, dass möglichst viele Zuschauer sich damit auseinandersetzten, was sich auf der Leinwand abspielt. Denn die heutige Sprache fordert Ihren Tribut ein. Wer hat heute noch Zeit und Muße, sich einem Schillertext zu stellen und zwischen den Zeilen zu lesen.
VIVA: Es ist auch ein Film über Freiheit. Sie selbst wuchsen in der DDR auf, einem Überwachungsstaat, den die junge Zielgruppe des Films nur noch aus Erzählungen kennt. Was bedeutet Freiheit für Sie?
Zehrfeld: Ich will es mal so beschreiben: Ich habe in meinem Beruf Freiheit gefunden, weil ich mich in unterschiedlichen Rollen ausleben kann und viel über die Welt und mich selbst erfahre. Jeder neue Charakter, in den ich schlüpfe, öffnet mir die Augen über Themen, mit denen ich mich unter normalen Umständen vielleicht nie beschäftigt hätte. Ursprünglich wollte ich Olympiasieger werden im Judo für die Deutsche Demokratische Republik. Und dann kam der 9. November und Gorbi mit Glasnost und Perestroika, und ich dachte: Super! Mein Traum ist in die Brüche gegangen. Dafür war die Welt plötzlich offen: Reisen, andere Mentalitäten, und dann hatte ich das große Glück, die 90er-Jahre zu erleben.
VIVA: Und Sie entschieden sich für die Schauspielerei?
Zehrfeld: Ich bin neben der renommiertesten Schauspielschule im Osten Berlins aufgewachsen, der Ernst Busch Schule. Schon in meiner Kindheit hatte ich einen bestimmten Eindruck vom Menschentypus Schauspieler: Die sah ich immer rezitierend mit Schal vom Bahnhof zur Schauspielschule laufen. Wir Kinder riefen dann immer: "Iiih, ein Buschler!" Sie standen auch immer beim Eisladen in der Schlange und philosophierten über irgendwelche Theaterstücke. Für mich war klar: So wollte ich auf keinen Fall werden. Vor allem, weil ich dachte, dass ich einen Schulabschluss von 1,0 abliefern müsste, um mit ihnen mithalten zu können.
VIVA: Wie hat Sie der Beruf schließlich trotzdem eingeholt?
Zehrfeld: Um ehrlich zu sein, habe ich bei Hobby-Theatergruppen mitgemacht, weil dort die besten Partys mit den schönsten Frauen stattfanden. So fing es an. Und dann wurde es für mich immer ernster, weil ich unheimlich viel Feedback bekommen habe, meine Leistung honoriert wurde. So entstand immer mehr Interesse, und dann war es um mich geschehen - und ich wurde selbst zum Buschler.
Leif Kramp
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