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| Das Weinglas ist halbvoll
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Harald Krassnitzer
spielt zum dritten Mal den "Winzerkönig" im Ersten (ab 12. Juli, montags, 20.15 Uhr, 13 neue Folgen)
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"Eine schöne Herausforderung, die großen Spaß macht": Harald Krassnitzer ist auch in Staffel drei das Gesicht der ARD/ORF-Serie "Der Winzerkönig".
(Bild: ARD / ORF / Petro Domenigg)
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Die Sonne lässt Presse, Fotografen und Programmverantwortliche an diesem Tag nicht im Stich. Es ist Bilderbuchwetter im burgenländischen Rust, kurz vor der österreichischen Grenze zu Ungarn, wo die dritte Staffel der ARD/ORF-Koproduktion "Der Winzerkönig" (ab 12. Juli, montags, 20.15 Uhr, ARD, 13 neue Folgen) bei großem medialem Auftrieb gedreht wird. Nach ausgezeichnetem Auftakt und Einbußen bei Staffel zwei (der Marktanteil sank 2007 von fast 16 Prozent auf nur noch elf) haben die Verantwortlichen neuen Mut geschöpft und hoffen mal wieder auf einen guten Jahrgang. Auch Harald Krassnitzer, das 49-jährige Gesicht der Serie, der seine Faszination für das Störche-Idyll am Neusiedler See denn auch gar nicht verbergen will.
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Seit 1999 ermittelt Harald Krassnitzer als "Tatort"-Fahnder beim ORF. Er steht in einer großen Tradition berühmter Wiener Kommissare, die dort Inspektoren heißen.
(Bild: ARD / Bodenstein)
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"Es ist schon eine Art Traumjob, wenn man in einem solchen Ambiente arbeiten darf und dann im Freien sitzend gemütlich Interviews gibt", sagt der Star: "Es gibt Schlimmeres auf dieser Welt." Wohl wahr. Wenn er beim "Tatort", für den er seit 1999 im Nachbarland ermittelt, drei Wochen im Regen drehe, sei er anschließend auch entsprechend belastet. In den Ruster Weinbergen komme hingegen gleich eine ganz andere Spiellaune auf. Und zur Entspannung geht's mit dem Fahrrad durch die Reben oder mit dem Boot raus auf den See. Wie praktisch.
Wie's scheint, hat Krassnitzer seine Mission als Botschafter des Burgenlandes prima angenommen. Doch eigentlich, so sagt er, geht es ihm um etwas anderes: "Ich mag es, mich mit Dingen zu identifizieren", reflektiert er sonor und bedächtig. Da er ja nun einmal rund ein halbes Jahr in dieser Region zubringe, wolle er über die Menschen, die er spiele auch etwas erfahren. "Das ist eine Frage des Respekts. Da kann's nicht sein, dass ich vom Drehort ins Hotel gehe, und das war's." Und wie ist er, der burgenländische Menschenschlag? "Wie ein Rohdiamant", lobt Krassnitzer: "Hier gibt es noch nicht diese Verderbtheit des Massentourismus."
Harald Krassnitzer muss es ja wissen. Schließlich stammt der Schauspieler aus Salzburg. "Eine Operettenkulisse", wie er selbst sagt: "In jedem Ton dieser operettenhaften Kellner dort spiegelt sich eine Freundlichkeit, die nicht echt ist." Von ganz anderem Kaliber sei da seine Wahlheimat Wuppertal, wo er mit der deutschen Schauspielkollegin Ann-Kathrin Kramer lebt. In die leicht verwelkte Industriestadt im Bergischen Land habe er sich "schwer verliebt". Weil man dort auf Menschen treffe, um die es letztendlich gehe. "Dort lebt nicht die Schickimicki. Die sind ehrlich, geradeheraus, malochen, haben Angst, kämpfen ums tägliche Überleben, um die Hoffnung, um ihre kleine Welt. Und das gestalten sie mit Würde."
Wuppertal ist neben Tirol einer von zwei Wohnsitzen, wo sich Krassnitzer und Ann-Kathrin Kramer niedergelassen haben. Vor einem Jahr, am 7. Juli 2009, hat das Schauspielerpaar klammheimlich geheiratet. Auf einem Donaudampfer gab sich das deutsch-österreichische Künstlerpaar das Jawort, das Mentalitätsdifferenzen inzwischen weitgehend überwunden hat. "Ich habe Ann-Kathrin mittlerweile eingeösterreichert und umgekehrt viel von ihrer Sprache gelernt." Überhaupt würde sich Krassnitzer viel mehr europäischen Gemeinschaftssinn wünschen.
Dass er sich zugleich für regionale Traditionspflege einsetzt, sieht er nicht im Widerspruch: "Ich bin für ein Europa der Regionen. Nur wenn man unterschiedliche Kulturen schärft, kann es einen Kulturaustausch geben. Was in den Metropolen unter den Multikulti-Gutmenschenteppich gekehrt wird, funktioniert im Einzelfall. Vielfach entstehen aber auch Parallelgesellschaften." Schwarzmalen gilt dennoch nicht: "Auch hier ist das Glas halbvoll."
Schon ist der engagierte Sozialdemokrat, der eine politische Laufbahn dennoch für "den größten Fehler" hielte, in seinem Element. Schließlich gehe es in der gegenwärtigen Parteienlandschaft längst nicht mehr um Ideen, sondern um "Ämter, Lobbyisten und Macht. Da sind die Bürger sekundär".
Von derlei intellektuellem Tiefgang ist auch die dritte Auflage des "Winzerkönigs" denkbar weit entfernt. Zwar weiß auch Krassnitzer: "Das um uns herum ist eine simulierte Welt." Dennoch findet er: "Diese Menschen mit ihren Gefühlen auf eine ehrliche, nicht zu verkitschte Weise darzustellen, ist eine schöne Herausforderung, die großen Spaß macht." Wenn man sich so umschaut, begreift man auch, warum.
Jens Szameit
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