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| "Ich bin ein Aufwandsvermeider"
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Karl Markovics
spielt eine der Hauptrollen in "Mahler auf der Couch" (Start: 7. Juli)
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In "Mahler auf der Couch" (Start: 7. Juli) gibt Karl Markovics den Vater der Psychoanalyse. Als Sigmund Freud hilft er dem Komponisten Gustav Mahler (Johannes Silberschneider, links) durch eine Ehe- und Lebenskrise.
(Bild: Kinowelt)
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Er war der vermutlich beliebteste Nebendarsteller der Welt. Als Stockinger jedenfalls stahl Karl Markovics (46) dem vierbeinigen Kommissar Rex die Show und wurde dafür Mitte der 90er-Jahre von SAT.1 mit einer eigenen Serie belohnt. Im Sanitäterkrimi "Komm, süßer Tod" (2000) badete er mit einem grandiosen Team in schwarzem Humor, wie ihn nur seine Heimat Österreich kennt. Doch der gebürtige Wiener kann auch anrühren, wie seine Glanztat in "Die Fälscher" (2007) zeigte. Dass der Film vor zwei Jahren mit dem Auslandsoscar bedacht wurde, habe ihn glücklich gemacht, sagt er an diesem Interviewvormittag. Es sei schön, wenn eine Sache, von der man so überzeugt war, auch von außen so wahrgenommen wird. Das decke sich nicht immer. Zwei Zigaretten ruhen bereits im Aschenbecher. Spannend wird, wie erfolgreich das sehr modern inszenierte Dokudrama "Mahler auf der Couch" (Kinostart: 7. Juli) abschneidet. Markovics, der heute Bart und längeres Haar trägt, spielt darin den Arzt Sigmund Freud.
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Auf den Auslandsoscar für "Die Fälscher" (2007) ist Karl Markovics zu Recht sehr stolz.
(Bild: Universum / Jat Jürgen Olczyk)
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VIVA: Was glauben Sie, in welchem Maß "Mahler auf der Couch" vom Publikum angenommen wird?
Karl Markovics: Das kann ich Ihnen überhaupt nicht sagen. Es geht darum, ein Thema wie den Komponisten Gustav Mahler, das nicht mehr zeitgemäß wirkt, so aufzubereiten, dass man ein Publikum kriegt, das eigentlich für so etwas nicht zu begeistern wäre. Die moderne Brille verhindert, dass Schulfunk daraus wird.
VIVA: Was möchten die Regisseure Percy und Felix Adlon denn stattdessen?
Markovics: Von einer menschlichen Beziehung erzählen. Im Grunde genommen ist dieses Problem seit 100 Jahren - oder auch länger - mit anderen Werkzeugen und Moden doch das Gleiche. Wenn man mit Freud spricht, hat sich auf der "Es"-Ebene nichts geändert.
VIVA: Was genau definieren Sie als das Problem?
Markovics: Habe ich Problem gesagt? Das ist interessant ... Das wollte ich gar nicht, Phänomen wollte ich sagen: leidenschaftliche Beziehungen, Hass, Haben wollen, alle menschlichen Regungen. Man könnte es so sehen: Seine junge Frau lässt sich mit Haut und Haar auf Mahler ein und merkt erst spät, wie hoch der Preis ist. Beide sind hungrige Charaktere, aber Mahler frisst sich selbst auf, das tut sie nicht.
VIVA: Sie spielen den Arzt Sigmund Freund, den Mahler konsultiert. War Ihnen diese Rolle eine Ehre?
Markovics: Ich kann mit diesem Begriff nicht viel anfangen, mich interessiert eher der Kontext. Die Herangehensweise ist die gleiche, ob es um eine fiktive Figur geht oder um eine historische Person ...
VIVA: Aber man bildet sich doch eine Meinung über den Menschen, oder?
Markovics: Nur bis zu einem gewissen Grad. Diese Art von Vorbereitung hilft vielleicht, Kondensationspunkte zu bilden, aber im entscheidenden Moment bringt es einen nicht weiter und man entscheidet intuitiv.
VIVA: Was wussten Sie über Sigmund Freud?
Markovics: Ich habe sein Buch "Traumdeutung" gelesen, und da ich aus Wien stamme, weiß ich über die Wiener Psychoanalytische Schule Bescheid.
VIVA: Glauben Sie, Freud hatte den Schalk im Nacken?
Markovics: Ja, auf jeden Fall. Jemand, der sich so intensiv mit dem Unterbewussten beschäftigt, kommt auch zum Absurden und damit nicht umhin, sich mit dem Komischen auseinanderzusetzen. Außerdem hat er ja auch Arbeiten über den Witz verfasst. Ich glaube, das ist natürlich Spekulation, dass er privat, heimlich für sich albern sein konnte.
VIVA: War er eitel?
Markovics: Das war er, wenn es auch eine ehrgeizige Eitelkeit war - verstärkt durch die Konventionen. Wie er in der Gesellschaft aufgestellt ist und ob er seine Familie versorgen kann, war ihm sehr wichtig. Freud hat mächtig um Reputation als arrivierter Forscher und Arzt gekämpft, fand, dass er die Anerkennung verdient hätte. Wiederum hypothetisch war er, glaube ich, der Meinung, dass die anderen einfach nicht so weit waren, seiner Arbeit zu folgen und sie entsprechend zu würdigen.
VIVA: Das lässt sich auf die Schauspielerei übertragen.
Markovics: Ja, das mag sein. Ein Schauspieler bekommt ein unmittelbares Echo seiner Umwelt und ist natürlich ohne Eitelkeit schwer vorstellbar. Aber ich wage zu behaupten, es gibt keinen Menschen, der nicht in irgendeiner Form eitel ist. Bei manchem geht es um die Äußerlichkeit, der andere wendet vielleicht ähnlich viel Energie auf, um auszusehen, als sei er gerade aufgestanden und gebe gar nichts auf sein Aussehen.
VIVA: Mögen Sie sich lieber mit oder ohne Bart?
Markovics: Ich muss mich immer wieder an den einen oder anderen Zustand gewöhnen. Es ändert sich ständig. Bis vor kurzem war ich total glatt rasiert, danach war ich zu faul, mich zu rasieren. Ich bin ein Aufwandsvermeider. Den Bart stehen zu lassen, ist so eine Vermeidung von Aufwand, weil er beruflich so über die Maßen betrieben wird. Die dadurch verlorene Zeit versuche ich mir privat zurückzuholen und gehe dann eben nicht noch mal zum Friseur. Trotzdem möchte ich in den Spiegel schauen und sagen: "So geh ich weg mit mir".
VIVA: Fällt es Ihnen noch schwer, mit Ihren Rollen gedanklich abzuschließen?
Markovics: Das braucht immer einige Zeit. Aber mit der Anzahl der Aufgaben geht man anders damit um. Ohne dass man das bewusst lernt, entwickelt man da eine Fertigkeit: Ich kenne diese Zyklen schon. In den Anfangsjahren erwischen sie einen immer wieder mit der gleichen Stärke, auch wenn es nicht mehr ganz neu ist. Aber das fällt langsam weg und man geht damit um wie ein kluger Kranker, der sagt, in vierzehn Tagen, spätestens in zwei Wochen, ist die Grippe vorbei.
VIVA: Aber welche Gedanken bewegen Sie dann noch?
Markovics: Gar keine konkreten Dinge. Es ist nur, dass sich das eine und das andere Leben nicht in Deckung bringen lassen, obwohl ich ein und dieselbe Person bin. Wenn Sie nach dem Urlaub wieder arbeiten, kommen doch auch zu ganz seltsamen Momenten Erinnerungen zurück. Plötzlich denken Sie an das Hotel oder ein Essen und wären gerne wieder dort. Noch viel verstärkter ist es beim Spielen selbst: Wenn ich mich drauf einlasse, bin ich die andere Person. Da ich mir selbst glauben muss, dass ich der andere bin, dauert es eine Weile, bis sich das wieder ausglättet.
VIVA: Ich nahm an, dass es eher grüblerischer Natur ist.
Markovics: Es muss nicht immer positiv sein. Denn für gewisse Momente weiß man nicht wirklich, wo man hingehört. Im Gegensatz zum Urlaub: Sie investieren Geld und erwarten Erholung. Beim Film investiere ich Energie und bekomme etwas dafür. Aber ich komme nicht erholt zurück. Es sei denn, ich drehe "Klinik unter Palmen". Das mögen die Zuschauer, und mancher Kollege genießt eine wunderschöne Gegend, schaut sich am Abend den Text an und hat Urlaub ... Aber das ist die Ausnahme.
VIVA: Sie sind Gründungsmitglied der Akademie des österreichischen Films. Worum geht es da?
Markovics: Wir wollen einen eigenen österreichischen Filmpreis auf die Beine stellen. Derzeit zählen wir 100 Mitglieder, die deutsche Filmakademie hat 1.200 - im Verhältnis gesehen ist das ein akzeptabler Wert. Wir wollen nicht mehr sein, als an Filmschaffenden vorhanden ist, und arbeiten abseits von irgendeiner medialen Unterstützung. Der Marktanteil des österreichischen Films stieg von zwei auf acht Prozent, das ist noch immer auf kleinem Niveau, aber vervierfacht ist auch nicht nichts. Wir finden, man muss früh dran sein, das als Bewegung einordnen. Neben Staatsoper, Burgtheater und den Salzburger Festspielen ist auch der Film ein selbstverständliches Kulturgut. Dies hat sich noch nicht so verankert in den Köpfen, aber wir möchten den Weg dahin bereiten.
Claudia Nitsche
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