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"Ich nehme Fernsehen nicht zu ernst"

Jochen Bendel Der ehemalige "Ruck Zuck"-Moderator sticht ab 9. August für die RTL II-Show "Kreuzfahrtkönig" in See

Seemann ahoi: Jochen Bendel sticht für seine neue Show "Der Kreuzfahrtkönig" an Bord eines Luxusliners in See. (Bild: RTL II)
Dass Jochen Bendel die Dreharbeiten für die neue, zunächst 20-teilige Sommershow "Der Kreuzfahrtkönig" (ab 9. August montags bis freitags, 18.00 Uhr) großen Spaß bereitet haben, sieht man ihm an: Der stets gut gelaunte Unterhaltungsprofi aus München ist nicht nur braun gebrannt und bestens trainiert, er dürfte mit seinem breiten Grinsen auch jedes Schwiegermutterherz gewinnen. Doch in seiner neuen RTL II-Gameshow muss er gelegentlich auch richtig fies werden: Während Bendel (37) und das Filmteam entspannt durchs Mittelmeer und über die Nordsee gondeln, müssen sich die fünf Pärchen, die mitschippern, heiklen Aufgaben stellen: beim Limbo-Tanzen genauso wie beim Pool-Tauchen. Wer bei Bendels strengen Prüfungen versagt, fliegt prompt von Bord.

Gute-Laune-Garant: Auf hoher See und auf spannenden Landausflügen prüft Reisebegleiter Jochen Bendel die RTL II-Gameshow-Kandidaten auf Herz und Nieren. (Bild: RTL II)
VIVA: Herr Bendel, wie schlimm waren denn Seekrankheit und Schiffskoller?

Jochen Bendel: Ich trage das Anti-Seekrank-Gen im Körper, das wirkt selbst bei Windstärke 9. Langeweile oder Koller kamen natürlich auch nicht auf. Schiffsreisen sind ja ziemlich abwechslungsreich, weil man fast jeden Tag woanders anlandet - und das eigene Luxushotel hat man immer dabei. Eine Woche an Bord vergeht viel zu schnell.

VIVA: Wie muss man sich das Drehen an Bord praktisch vorstellen? - Sie und das Team hatten ja sicher nicht das ganze Schiff nur für sich ...

Jochen Bendel: Natürlich nicht, das waren große Pötte mit bis zu 3.000 Passagieren. Mit meinem kleinen Team und den zehn Kandidaten formten wir ein schönes kleines Grüppchen, das eben sein ganz eigenes Reiseprogramm durchzog. Die übrigen Mitreisenden wurden natürlich informiert - die fanden's hochspannend. Und einige von denen sieht man auch quer durchs Bild laufen.

VIVA: Gab's keine Probleme mit Gaffern oder Passagieren, die sich gestört fühlten?

Bendel: Kreuzfahrer sind ein eigener Menschenschlag. Die sind alle lustig unterwegs, unkompliziert und immer daran interessiert, wenn sich an Bord was rührt. Einmal haben wir mit zwei Kandidaten auf einem der Sonnendecks Hockey gespielt - darüber waren fünf Decks mit Balkonen. Alle standen plötzlich draußen und haben meine Spieler angefeuert. Es hat sich ziemlich schnell rumgesprochen, was da für eine witzige deutsche Truppe an Bord war.

VIVA: Keine Sorge gehabt, dass Sie mit den Schiffsanimateuren verwechselt werden?

Bendel: Nein, nein, so autonom waren wir schon, dass ich auch noch zu etwas Erholung in meiner Privatkabine kam. Außerdem fanden viele Spiele auf unseren Landgängen statt.

VIVA: Täuscht es oder sind die etwas verrückten Spieleshows ein Lieblingsthema für den Fernsehsommer?

Bendel: Ich hoffe sehr, dass es nicht nur ein Sommerthema ist. Urlaubsreisen und ferne Ziele bei tollem Wetter aufzusuchen, wären doch auch ein schönes Winterthema. Sobald es bei uns ab Oktober wieder ungemütlich wird und zu regnen beginnt, möchte man doch mal wieder sehen, wie genüsslich es sich am anderen Ende der Welt leben und feiern lässt.

VIVA: Allerdings scheinen im Sommer viele Zuschauer die Ansprüche etwas herunterzufahren, auch beim Fernsehen ...

Bendel: Das kann gut sein. Viele legen gerne mal die Beine hoch und beobachten, wie andere sich abrackern. Das kann auch so eine Art Urlaub vor dem Fernseher werden.

VIVA: SAT.1 lässt in "Die perfekte Minute" die Kandidaten Eier stapeln, ProSieben schickt gleich mehrere mehr oder weniger schrille Sommershows ins Rennen: Ist da etwa eine kleine Renaissance der preiswert produzierten Gameshows im Anrollen?

Bendel: Was wir gemacht haben, war nicht billig. Wir sind mit einem riesigen Team fast bis nach Grönland getuckert, so spart man nicht wirklich. Anders wäre es, wenn man 25 Shows im Studio zusammengekloppt hätte, wie das vielleicht früher üblich war. Grundsätzlich glaube ich schon, dass das Spielen und der Wettbewerb immer ein heißes Thema sind - und das hat eigentlich ununterbrochen Hochkonjunktur. Man darf aber nicht die Gameshows aus den 80er-Jahren, die Studioproduktionen mit der Pappmaché-Deko, den Lichtern, bei denen "Applaus" aufleuchtet und jeden Abend 5.000 Mark gewonnen werden, mit den aufwendig produzierten Unterhaltungsshows an tollen Settings verwechseln.

VIVA: Was macht also die Besonderheit des "Kreuzfahrtkönigs" aus?

Bendel: Das Spiel steht hier nicht immer unbedingt im Vordergrund. Es ist auch eine Art Doku-Geschichte. Wir wollen wissen: Was erleben unsere Pärchen auf ihrer Urlaubskreuzfahrt? Und es passiert alles Mögliche - von unfreiwilligen Aufenthalten auf der Krankenstation über leidenschaftliche Romanzen bis hin zu einer Art Meuterei der Kandidaten. Ein Verlierer-Pärchen wollte nämlich partout nicht von Bord gehen und hatte versucht, sich auf dem Schiff zu verstecken, während unten schon das Taxi zum Flughafen wartete.

VIVA: Tatsächlich?

Bendel: Na klar, das war ein ganz schönes Drama. Meine Aufgabe als Spielleiter ist es, dafür zu sorgen, dass an jedem Tag ein Pärchen von Bord geht. Das können wir ja nicht die Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff entscheiden lassen, sondern es geht darum, meine Aufgaben richtig zu lösen.

VIVA: Fällt das Nach-Hause-Schicken besonders leicht, wenn man eine natürliche Portion Schadenfreude mitbringt?

Bendel: (lacht) Manchmal bin ich schon froh, wenn ich bestimmte Nervensägen wieder los bin. Aber das ändert sich schnell: Bei anderen Pärchen fließen auch bei mir ein paar Tränchen, wenn sie von Bord müssen. Aber für mich zählt nicht der Sympathiewert, sondern nur die Frage, was meine Kandidaten leisten können.

VIVA: Was muss man denn mitbringen, um gute Chancen zu haben, selbst einmal Kreuzfahrtkönig zu werden?

Bendel: Eine Sportskanone zu sein, schadet sicher nicht. Wichtig ist aber, dass man große Freude am Reisen hat. Und dabei muss man bereit sein, viel Ungewisses einfach mal auf sich zukommen zu lassen. Vieles an den Wettbewerben ist dann auch ballaballa. Oder eben "it's fun". So lautet der Claim von RTL II bekanntlich nicht ohne Grund. Was wir veranstalten, ist nicht "Wer wird Millionär?" inklusive Telefonjoker. Bei uns schwebt über jedem das Damoklesschwert, dass er täglich nach Hause geschickt werden kann.

VIVA: Ein entspannter Urlaub hört sich anders an.

Bendel: Wir sind richtig hart. Manche der Kandidaten waren nur 24 Stunden bei uns. Und am nächsten Tag wartete bereits der Flieger auf sie.

VIVA: Wenn man Pech hat, bekommt man zudem eine Kabine im Schiffsinneren.

Bendel: Genau. Und die hat nur fünf Quadratmeter und befindet sich direkt über der Heckschraube. Ich war selbst schon mal in so einer Kabine untergebracht. Da unten braucht man zum Aufstehen keinen Wecker. Wenn um 5 Uhr morgens das Schiff in einen Hafen einläuft, wird man automatisch wach, weil man dann die Lenkmanöver spürt. Plötzlich vibriert das ganze Bett: So durchgeschüttelt wurde ich noch nie.

VIVA: Werden Sie eigentlich auch gelegentlich noch aus dem Schlaf gerissen, wenn Sie mal wieder von der Endlosschleife "Ruck Zuck" träumten?

Bendel: Früher konnte man mich um 4 Uhr früh wecken, und ich wusste genau, an welcher Stelle der Show ich welchen Text zu sagen hatte. Kein Wunder, wenn man die Sendung über 2.000-mal moderiert hat. Dass sich die Show so lange gehalten hat, ist für mich auch ein Zeichen von Qualität. Selbst zum Schluss lief sie noch immer ordentlich. "Ruck Zuck" wurde ja nicht wegen schlechter Quoten eingestellt, sondern manchmal auch deshalb, weil es plötzlich die Sender nicht mehr gab.

VIVA: Sind Sie nicht böse, dass Sie sich fast nicht unerkannt in die Cafés und Geschäfte wagen können?

Bendel: Mir schmeichelt sehr, wenn mich die Leute auf der Straße auf die Show ansprechen. Immerhin habe ich sie ja 15 Jahre lang gemacht. Ich glaube, es gibt keinen Menschen, der die Sendung und damit mich in der "Ruck Zuck"-Deko nicht gesehen hat. Für mich ist die Erinnerung daran kein Fluch, sondern eher ein Kompliment. Es ist ja nicht so, wie wenn man als "Germany's Next Topmodel"-Kandidatin in der ersten Runde rausfliegt. Und plötzlich erkennen dich die Teenies vor dem Kaufhof und sagen: "Ey, isch hasse dich voll!" Trotzdem war es Zeit, einmal einen Schlussstrich zu ziehen.

VIVA: Viele Fans haben sich daran gewöhnt, dass "Ruck Zuck" - bei welchem Sender auch immer - wieder auftaucht. Gibt es aktuell Überlegungen, die Sendung erneut auferstehen zu lassen?

Bendel: Nein, nicht wirklich. Ich wüsste auch gar nicht, ob so eine Show noch zeitgemäß wäre. Allerdings: Zuletzt hatte ich das Konzept noch einmal beim "Gameshow Marathon" auf ProSieben durchgespielt. Und selbst dort lief's noch einmal beachtlich.

VIVA: Gar nicht nostalgisch, was die "Ruck Zuck"-Zeiten angeht?

Bendel: Als ich damit anfing, konnte ich mir nicht vorstellen, das länger als ein Jahr zu machen. Ich wollte meine Sakko-Ärmel nicht hochkrempeln. Damals wollte ich nicht einmal ein Sakko anziehen. Heute bin ich stolz, dass ich es so lange durchgezogen habe. Eine lustige Zeit!

VIVA: Stammt die anarchische Energie, die gelegentlich bei Ihnen durchblitzt, eigentlich noch aus Radio-Zeiten?

Bendel: Meine Lust an der Anarchie kommt daher, dass ich Fernsehen zwar schon ernst nehme - aber eben nicht zu ernst. Ich hab mir immer gesagt: Okay, ich moderiere "Ruck Zuck", aber warum muss ich deswegen rumlaufen wie ein Hampelmann und immer das Gleiche sagen? Ich denke, deswegen haben die Leute "Ruck Zuck" auch so gerne angesehen - weil ich Fernsehen nicht so ernst nehme.

VIVA: Haben Sie sich schon mal dabei ertappt, dass sie die "Versteckte Kamera" mit Guido Cantz sehen und heimlich mitmoderieren - besser, natürlich?

Bendel: (lacht). Nein, so was würde mir nie einfallen. Ich bin überhaupt nicht jobneidisch. Manchmal hatte ich zwar ein paar Zweifel, ob ich mich nicht weiter entwickelte. Im Großen und Ganzen bin ich aber sehr zufrieden mit mir. Die RTL II-Kreuzfahrt zu moderieren, ist für mich wie ein Sechser im Lotto: Ich kann meinen Job machen, was mir mit den lustigen Spielchen nicht schwerfällt, und gleichzeitig reisen und es mir gut gehen lassen. Die gute Laune, die ich dabei habe, sieht man mir auf einen Blick an.

VIVA: Schon mal ein bisschen darüber nachgedacht, ob man sich mit dem "Kreuzfahrtkönig"-Erfahrungen eines Tages noch auf dem ZDF-"Traumschiff" bewerben kann?

Bendel: Wenn ich in 40 Jahren noch immer diese Sendung mache, habe ich so das richtige Senioren-Kreuzfahreralter erreicht. Dann kann ich mit meiner Rollatoren-Gang an Bord wilde Wettrennen auf dem Sonnendeck organisieren. Darauf freue ich mich.

Rupert Sommer

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