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| Dem Mann mit der Warze noch ein Bier
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Wolfgang Völz
wird am 16. August 80 Jahre alt
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Ein Mann für markante Töne - der Schauspieler Wolfgang Völz wird 80 Jahre alt. (Das SWR-Fernsehen zeigt in einer "Höhepunkte-Folge" der Talkshow "SamstagAbend", am Samstag, 7. August, 20.15 Uhr, Ausschnitte aus einem Gespräch von Talker Markus Brock mit Wolfgang Völz.)
(Bild: SWR / Gitzinger)
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Der Mann mit anachronistischem Schnauzer und prominenter Warze auf der Backe war die deutsche Stimme von Walter Matthau, Mel Brooks und Peter Ustinov. Die Tatsache, dass zwei der Film-Legenden bereits "in die ewigen Jagdgründe eingegangen sind", wie es ihr deutscher Sprecher zu formulieren pflegt, zeigt, dass auch dessen markante Stimme nicht mehr taufrisch ist. Wolfgang Völz, deutsche Film-, Fernseh- und Stimm-Ikone, wird am 16. August 80 Jahre alt. Der geborene Danziger spielte in Kultserien wie "Raumpatrouille Orion" oder den deutschen Edgar Wallace-Filmen. Er sang Lieder bei Peter Frankenfeld oder mit Harald Juhnke. Später wurde er Käpt'n Blaubär - ein Charakter, der vielleicht zufällig ein bisschen wie die Puppenversion des charmanten Polterers Völz daherkam. Leben und Karriere des womöglich meistgebuchten deutschen Nebendarstellers aller Zeiten sind ein Spiegelbild von mehr als 50 Jahren Fernsehgeschichte.
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Auch im fortgeschrittenen Rentenalter immer noch ein origineller TV-Gast: Wolfgang Völz in der SWR-Rateshow "Sag die Wahrheit".
(Bild: SWR / Gitzinger)
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Wolfgang Völz spricht dir alles. Locker und mit unfassbarer Sicherheit. So lautet die Einschätzung von Branchenkennern. Menschen, die mit "The Voice" gearbeitet haben. Die Regisseure von Käpt'n Blaubär zum Beispiel, die Macher der alten Toyota-Werbespots ("Nichts ist unmöglich"), Veranstalter von Lyrik-Lesungen oder auch derbem Volkstheater.
Völz ist der Typ Schauspieler, den es heute nicht mehr gibt. Einer, der nicht lange überlegt. Einer, der Operette singen kann. Einer, der Sachen raushaut, solange man sich hinterher sein Geld abholen kann. Einer, der öffentlich zugibt, dass er gerne und viel trinkt. Einer aber auch, hinter dessen harter Schale sich ein sensibler Kerl verbirgt. Der sich politisch links engagierte, als die SPD noch links war oder als einer der ersten Promis gegen Aids zu Felde zog. Ein Mann, der seine früher dicht gebuchten Fernsehauftritte mit Wortwitz und manchmal unfassbarer Schlagfertigkeit zu absolvieren verstand.
Die Arbeitswut des Jubilars ist Zeichen der Wirtschaftswundergeneration, der Völz angehört. "Ich drehe seit 1953 - ich bin ein Urgestein", hat er einmal gesagt. Kein Widerspruch. In Niedersachsen, wo es die Familie Völz nach dem Krieg hin verschlagen hatte, absolvierte Wolfgang Völz seine beiden Ausbildungen. Der bodenständigen Bäckerlehre in Hameln, ein Beruf, in dem man früh aufstehen muss, folgte eine Berufung, die zu langem Aufbleiben verleitet. Völz nahm Schauspielunterricht in Hannover und debütierte als "Page" in Schillers "Don Karlos" am Landestheater Hannover. Völz war ungeeignet als klassischer Held oder Liebhaber. Bereits als junger Mann mit einer breiten Knubbelnase ausgestattet, die eine Seelenverwandtschaft zum US-Alter Ego Walter Matthau andeutete, war er der Mann fürs Lustige bis Grobe, ein - wie es so schön heißt - profilierter Nebendarsteller.
Weil es ihm an klassisch mimischer Erotik oder Eleganz fehlte, spielte sein Freund Dietmar Schönherr 1966 Major Cliff Allister, den Kommandanten des "schnellen Raumkreuzers Orion". Für Völz blieb Leutnant Mario de Monti, Armierungsoffizier. Aus dem gleichen Grund spielte Klausjürgen Wussow den Inspektor im Edgar Wallace-Streifen "Der grüne Bogenschütze" (1961), während sich Völz in die Rolle des Sergeant Higgins fügen musste. Als ewiger Assistent blieb er auch in der äußerst populären ARD-Vorabendserie "Graf Yoster gibt sich die Ehre" (1967 bis 1978) in Erinnerung. Lukas Amman war der Titelheld, ein Kriminalschriftsteller. Völz verkörperte dessen Butler Johann. Eine Rolle, an die er sich gern erinnert, weil er darin zwei Rollce Royce zu Schrott fahren durfte.
In den Achtziger und Neunziger Jahren flimmerte Wolfgang Völz als Talkgast, Possenreißer, Sänger oder Rezitator über den Fernsehbildschirm. Dennoch waren Synchron- und Sprecherarbeit mittlerweile sein Hauptstandbein. Später, in den Nullerjahren, entdeckte man ihn dann neu. Als Bestandteil der Kult-Trash-Kultur, die Kindheitserinnerung jüngerer Humorarbeiter. In den "Wixxer"-Filmen (2004, 2007) von Oliver Kalkhofe nahm er seine eigene Wallace-Vergangenheit aufs Korn, arbeitete mit Bully Herbig in "Hui Buh - Das Schlossgespenst" oder gesellte sich in der Screwball-Persiflage "Mord ist mein Geschäft, Liebling" (2009) schmerzfrei zu anderen halb vergessenen B-Helden wie Franco Nero und Bud Spencer.
Wolfgang Völz, der mit einer ehemaligen Tänzerin verheiratet ist und so lange in Berlin lebt, dass er dort längst zum Inventar des alten Westens gehört, gab sein Wissen an einen Sohn und eine Tochter weiter. Sowohl Benjamin als auch Rebecca Völz arbeiten als Synchronsprecher. Der 1960 geborene Benjamin Völz kann es in Sachen Hollywood sogar mit dem Vater aufnehmen. Stars wie Keanu Reeves, David Duchovny oder Charlie Sheen lieh er schon seine Stimme. Pünktlich zum 80. Geburtstag des Vaters erscheint das Buch "Benjamin und Wolfgang Völz - Eine Biografie". Dietmar Schönherr hat das Vorwort geschrieben. Vom "Leben als Stimme" und vielen Jahrzehnten Fernseh- und Filmschaffen wird darin zu lesen sein. Am 18. September stellen Vater und Sohn ihre Erinnerungen im Berliner Renaissance-Theater vor.
In der ARD und in den Dritten Programmen sind einige Wiederholungen mit Wolfgang Völz zu sehen. Höhepunkt ist an Völz' Ehrentag das 2003er-Recycling-Ereignis "Raumpatrouille Orion - Rücksturz ins Kino" (Montag, 16.08., 10.30 Uhr). "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" strahlt das rbb-Fernsehen am Freitag, 30.07., 00.00 Uhr, aus. Das SWR-Fernsehen zeigt in einer "Höhepunkte-Folge" der Talkshow "SamstagAbend", am Samstag, 7. August, 20.15 Uhr, Ausschnitte aus einem Gespräch von Talker Markus Brock mit Wolfgang Völz.
Eric Leimann
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