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Eine Mieze als Muse

Ralf Schmitz moderiert mit Kim Fisher "Die beliebsten Sketche der Deutschen" (Do., 12.08., 20.15 Uhr, ARD)

Witz komm' raus: Ralf Schmitz, hier bei der Gala zum 60. Geburtstag der ARD, präsentiert "Die beliebtesten Sketche der Deutschen". (Bild: HR / NDR / Max Kohr)
Und wieder findet ein Zappelphilipp des Privatfernsehens den Weg in die ARD: Nachdem Stefan Raab sich bei der Talentsuche "Unser Star für Oslo" für höhere Aufgaben im Senderverbund empfehlen durfte und der langjährige "Deal or no Deal"-Moderator Guido Cantz "Verstehen Sie Spaß?" fragen darf, versucht sich Programmdirektor Volker Herres nun mit Ralf Schmitz. Der quirlige Leverkusener konnte schon zu Schulzeiten kaum ruhig sitzen, begeisterte dann die Kleinkunstfans mit dem Impro-Theater "Die Springmaus" und landete schließlich bei SAT.1. Zuletzt für seine eigene Comedy-Show "Schmitz in the City" im Einsatz, darf er nun für das Erste die Show "Die beliebtesten Sketche der Deutschen" zusammen mit Kim Fisher moderieren. Ausgestrahlt wird die Best-of-Sendung am Donnerstag, 12. August, 20.15 Uhr. Im Interview verrät Schmitz Erhellendes: worüber die Deutschen lachen können. Und warum ausgerechnet Katzen den besten Humor haben.

Auf Deutschlandreise: Ralf Schmitz, hier in Köln, untersuchte, was den Deutschen landesweit am besten gefällt. (Bild: WDR / Dirk Borm)
VIVA: Herr Schmitz, scheut man, wenn man eher aus der Impro-Ecke kommt, die "gespielten Witze" nicht eigentlich wie der Teufel das Weihwasser?

Ralf Schmitz: Nein, ehrlich gesagt. Oder doch: Jetzt, wenn Sie es sagen: Vielleicht doch? Ich habe mich nie in Zweifel gestürzt. Schon zu Schulzeiten hatte ich Loriot-Sketche drauf. Da sich selbst der große Altmeister an dieses Thema gewagt hat, dann darf man - in aller Bescheidenheit - keine Angst davor haben. Komisch ist komisch. Welche Variante man benutzt, die Leute zum Lachen zu bringen, ist dann letztlich unerheblich. Hauptsache man ist authentisch dabei. Das gilt aber für alle Lebensbereiche: Wenn man nicht hinter den Dingen steht, die man tut, dann sollte man es besser lassen.

VIVA: Bei solchen Jubiläumsreihen wird man gerne mal nostalgisch. Wie wichtig waren die Fernseh-Sketche für Sie früher selbst?

Ralf Schmitz: Man kann immer von den Großen lernen. Wir sind alle aufgewachsen mit Loriot, mit Otto, mit Jerry Lewis. Heinz Erhardt hat viele Sachen gemacht, die mich zutiefst beeindruckten - man denke nur an den "G-Sketch", in dem jedes Wort mit "G" beginnen muss. Alle haben sich darin geübt: Weil man in einem Sketch eben die großen komischen Themen in wenigen Minuten ausdrücken kann. Ich habe früh angefangen, den Könnern dabei auf die Finger zu schauen.

VIVA: Beim Wort "Sketch" denkt man ja an etwas Schnelles, Temporeiches, Flüchtiges. Trotzdem gehören wohl viel Timing und Disziplin dazu, die Pointen nicht zu versemmeln ...

Ralf Schmitz: Ganz sicher! Sketche sind eine Reduktion der großen Welt aufs Miniaturformat. Da hat man keinen großen ersten Akt, um erst einmal in aller Ruhe alle Akteure vorzustellen. In Filmen geht's dagegen erst nach der ersten halben Stunde so richtig los. Beim Sketch muss einfach jeder Satz sitzen. Wenn nicht alles minutiös geplant ist, verpufft die gesamte Wirkung.

VIVA: Sie kennen ja die Gewinner der Sketch-Auswahl in der ARD. Was ist Ihre Bilanz: Wie sieht der todsichere Gag aus - womit gewinnt man die Deutschen?

Ralf Schmitz: (lacht verschmitzt) Da ist natürlich viel dabei - natürlich die berühmten Tortenwitze, in dem jemand großes Leid erfährt, weil er stolpert, einen Kuchen in die Visage geknallt bekommt oder sich einfach nur weh tut. Selbstverständlich ist natürlich auch das fein Ausgearbeitete Marke Loriot vertreten. Aber alle Sketche vereint: Man kriegt die Deutschen mit Authentizität, mit ehrlichen Gags, die nicht krampfhaft irgendwelchen Vorbildern nacheifern.

VIVA: Aber es kann schon auch mal derb werden, bis hin zum Vulgären ...

Ralf Schmitz: ... das eigentlich nie - auf jeden Fall nicht die Sachen, die wir in der ARD dabei haben. Aber es wird natürlich hin und wieder ein wenig albern.

VIVA: Ist es dankbar, dass Deutschland ein Land mit so vielen Dialekten ist? In der Auswahl gab's viel Regionalkomik.

Ralf Schmitz: Wunderbar. Ich weiß gar nicht, in wie weit das in anderen Ländern ähnlich ist. Aber in dieser Hinsicht ist Deutschland einfach köstlich vielfältig. Ich reise ja viel durch die Republik und liebe es, mich vor Ort an jeweils neuen Dialekten auszuprobieren. So was kommt natürlich in Sketchen gut an. Die Königsdisziplin der Komik ist allerdings, dass man mit den Erwartungen bricht und sich auch immer wieder traut, die Dialekt-Klischees zu unterlaufen.

VIVA: Welcher Dialekt zieht denn immer?

Ralf Schmitz: Mittlerweile funktioniert's nicht mehr so einfach, aber früher war alles aus dem Osten natürlich ein super Ankommer. Sächsisch kam immer gut, weil's einfach so lustig klang. Das hat sich aber mittlerweile geändert. Wenn man heute mit Sächsisch ankommt, gähnen viele nur. Das Fränkische ist tendenziell weniger komisch als ein Kölner Dialekt. Der ist ein wenig ruppiger, mehr aus dem Volk - und somit etwas komischer.

VIVA: Womit kann man Sie denn zum Lachen bringen?

Ralf Schmitz: (lacht) Leider mit vielen Dingen. Jerry Lewis bringt mich immer zum Lachen. Meiner Katze gelingt das ebenfalls. Die ist mit 24 Jahren uralt und macht trotzdem nur Blödsinn. Vielleicht liegt's auch daran, dass sie Alzheimer hat. Katzen sind total bekloppt, die bringen mich immer zum Wiehern.

VIVA: Schmitz' Katze taucht bei Ihnen ja häufiger auf, auch in Buchform. Ist das so eine Art Muse von Ihnen?

Ralf Schmitz: Ja, wahrscheinlich.

VIVA: Hat sie einfach so eine staubtrockene Art?

Ralf Schmitz: Katzen sind so trocken wie sonst kaum ein anderes Tier. Die liegen einfach herum und genügen sich selbst. Und ob Sie da sind oder nicht, spielt erst einmal gar keine so große Rolle. Katzen bringen eine gewisse Selbstverständlichkeit mit, und das macht das Zusammenleben mit ihnen eigentlich einfach. Wenn sie sich nicht immer wieder übergeben müssten, brüllen, wenn sie Hunger haben, oder nicht wissen, ob sie raus oder rein oder auf den Balkon wollen. Aber es stimmt: Mein Katze hat etwas von einer Muse - ihre Art inspiriert mich sehr.

VIVA: Kann es eigentlich nur eine Katze im Leben geben, oder ziehen Sie sich bereits einen Nachfolger für Schmitz' Katze heran?

Ralf Schmitz: Ich habe mich entschieden, dass es dann erst einmal keine neue gibt. Lebewesen zu ersetzen, ist einfach schwierig.

VIVA: Was die Sendung angeht: Fiel Ihnen das Moderieren eigentlich schwer, weil Sie sich da ja auch mal etwas zurücknehmen müssen?

Ralf Schmitz: Die Anforderung war natürlich eine andere - ich muss jetzt häufiger auch mal meinen Mund halten. Kim und ich spielen keine Sketche, aber es war eine große Herausforderung, die mir wirklich Spaß gemacht hat.

VIVA: Doppelt fies: Beim Moderieren sind Sie zu zweit und dürfen Kim Fisher nicht allzu sehr ins Wort fallen ...

Ralf Schmitz: Nein, die Gefahr, dass wir uns in die Quere kommen, bestand gar nicht - weil wir dafür zu unterschiedlich sind. Kim kommt ja eher aus der Moderation, ich aus der Komik. Wir haben uns prima ergänzt und toll verstanden.

VIVA: Für die ARD die "beliebtesten Sketche der Deutschen" zusammenzustellen, klingt fast ein wenig staatstragend. Wie sehr standen Sie dabei innerlich in Habt-Acht-Stellung?

Ralf Schmitz: Bei der ARD wirkt alles sehr fundiert, und die Jungs und Mädels wissen, was sie tun. Allerdings muss man auch aufpassen, dass man nicht in Ehrfurcht erstarrt.

VIVA: Es wirkt so, als ob immer häufiger Privatfernseh-Prominente zu den Öffentlich-Rechtlichen geholt werden, etwa Guido Cantz für "Verstehen Sie Spaß?" oder Stefan Raab für den "Eurovison Song Contest". Wird die Welt jetzt nicht mehr so strikt in Gut und Böse, in Bildungsbürger-TV und Kommerz-TV unterteilt?

Ralf Schmitz: Ich hoffe, das sind jetzt Anzeichen für einen Aufbruch in diese Richtung. Dass man grundsätzlich darüber nachdenkt, die alten Fehden jetzt zu beenden. Man kann ja heute in die Oper gehen, dort wunderbare Musik erleben und vielleicht sogar vor Mitgefühl weinen und gleichzeitig am nächsten Tag ins Kino gehen, um einen Schwarzenegger-Film anzusehen. Und man kann beides gut finden. Wenn ich natürlich in der Oper ein Niveau vorfinde wie in der Actionklopperei mit Schwarzenegger, dann wird's schwierig ...

VIVA: Ihnen scheint das Hineinschnuppern in die ARD-Welt durchaus Freude zu bereiten: Welche Show wollten Sie dort denn als Nächstes unbedingt schon mal machen?

Ralf Schmitz: (lacht) Das ist doch die Frage, auf die bisher noch nie jemand geantwortet hat. Es gibt durchaus interessante Ideen, aber wir werden einfach schauen, was die Zukunft bringt.

Rupert Sommer

  ARD-Homepage zur Sketch-Abstimmung
  Homepage des Moderators Ralf Schmitz
  der TV-Tag: Die beliebtesten Sketche ...

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