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| Frauengespräche für Männer
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Cordula Stratmann, Annette Frier
sind die Stars der Impro-Sitcom "Wir müssen reden!" (ab 27.08., freitags, 22.15 Uhr, SAT.1)
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Annette Frier (links) und Cordula Stratmann sind im echten Leben enge Freundinnen. Nun spielen sie auch welche - in der neuen Improvisations-Comedy "Wir müssen reden!".
(Bild: SAT.1 / Boris Breuer)
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Cordula Stratmann und Annette Frier sind Busenfreundinnen. Vor zehn Jahren haben sie sich während einer gemeinsamen Zeit bei der "Wochenshow" kennengelernt. Nun haben die beiden Rheinländerinnen Teile ihres Privatlebens zum Beruf gemacht. Als Cordula und Annette treffen sie sich einmal pro Woche beim Kölner Stamm-Italiener und reden, was das Zeug hält. Echte Frauengespräche über Kinder, Kerle und den Frust beim Job. Cordula Stratmann, 1963 geborener Urstar der "Schillerstraße", und ihre elf Jahre jüngere Kollegin (ebenfalls "Schillerstraße", "Danni Lowinski") gelten zu Recht als Meisterinnen der Improvisations-Comedy. Ein Gespräch über Frauenfreundschaft, Anti-Schenkelklopf-Humor und die Kunst der Privatheit im Fernsehen.
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"Wir müssen reden!", meinen Annette Pfeiffer (Annette Frier, links), Cordula van Grooten (Cordula Stratmann) und Stephano (Johann von Bülow).
(Bild: SAT.1 / Martin D'Costa)
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VIVA: Ist es schwerer, beim Improvisieren lustig zu sein, als gut aufgeschriebene Gags zu spielen?
Cordula Stratmann: Ja. Das Improvisieren braucht eine andere Energie. Beim Arbeiten nach Drehbuch ist die Verantwortung auf viele Schultern verteilt. Da gibt es einen Regisseur, einen Autor. Es ist eine Geschichte, die ich umsetze, aber nicht selbst gestaltet habe. Beim Improvisieren bin ich jeden Moment für mich selbst zuständig. Und das fordert mich ganz anders.
Annette Frier: Da muss ich widersprechen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob eine Arbeitsweise leichter ist. Meine Erfahrung ist: Was dir leicht fällt, sieht auch leicht aus. Was Mühe macht, sieht man den Dingen meistens an. Die sehen dann auch oft mühevoll aus. Mit Cordula zu improvisieren, fällt mir leicht.
VIVA: "Schillerstraße" ist eine deutsche Erfindung, "Dittsche" und "Blind Date" mit Olli Dittrich und Anke Engelke ebenfalls. Ist Deutschland eine Hochburg der Improvisations-Comedy?
Annette Frier: Ich weiß nicht, wie verbreitet diese Art von Format ist. Ein Kollege erzählte mir, dass in Kanada eine Sendung läuft, in der sich jeden Morgen vier Leute im Zug auf dem Weg zur Arbeit unterhalten - als Improvisations-Comedy. Im Prinzip ist Improvisieren die älteste Form des Daseins.
Cordula Stratmann: Das ganze Leben ist improvisiert. Wir wachen morgens als Improvisationskünstler auf, hangeln uns durch den Tag und gehen nach der Vorstellung ins Bett. Einige Dinge haben geklappt, andere sind schief gegangen.
VIVA: In jeder Folge wird zu Beginn lediglich definiert, in welcher Verfassung die beiden Freundinnen aufeinandertreffen. Sie beide sind auch privat befreundet. Ist die Versuchung nicht sehr groß, sich vorher gemeinsam ein paar lustige Dinge zu überlegen?
Cordula Stratmann: Nein, das lassen wir ganz bewusst bleiben. Vorbereitung auf besonders lustige Momente zerstört die Improvisation. Dann würde sich nichts entwickeln, aber gerade darauf muss man vertrauen, dass man sich in einen Fluss begibt und möglichst nicht absäuft. Es ist nicht unser Ziel, tolle Gags zu zünden, damit sich das Publikum auf die Schenkel klopft. Die Leute, denen wir "Wir müssen reden" gezeigt haben, hatten mehr oder weniger eine halbe Stunde lang ein Dauergrinsen im Gesicht. Wenn das breite Publikum genauso reagiert, wären wir sehr glücklich.
VIVA: Echte Lacher sind also gar nicht erwünscht?
Annette Frier: Es geht hier um eine andere Art von Humor. Faszinierend für uns und hoffentlich auch andere ist dieser private Moment, den wir in "Wir müssen reden" offenbaren. Wir verhalten uns so, wie wir uns auch in privaten Gesprächen verhalten würden.
Cordula Stratmann: Jetzt muss ich Dir widersprechen. Ich habe großen Spaß daran, dass das so aussieht, als seien wir ganz privat miteinander. In unseren Figuren sind wir das auch, das ist ja auch das Setting, wie wir es uns ausgesucht haben. Aber ohne Zuschauer sieht meine Privatheit mit Annette doch noch anders aus.
VIVA: Was unterscheidet "Wir müssen reden" von anderen Improvisations-Formaten?
Annette Frier: Das sich zwei Frauen ziemlich intim unterhalten. Ich glaube, dass das Format gerade deshalb auch für Männer sehr interessant ist. Man hat die Chance, einem Frauengespräch zuzuhören, einem deutschen Frauengespräch wohlgemerkt. Einige Journalisten haben uns nach dem Bezug zu "Sex in the City" gefragt. Ich sage: Das ist New York. Wir sind zwei deutsche Frauen, die ihr Leben zufälligerweise in Köln leben.
Cordula Stratmann: Es gibt natürlich noch sehr viel mehr Unterschiede. "Sex and the City" ist auf Wirkung und auf Tabubruch geschrieben. Und - es ist, was viele nicht wissen, von einem Mann geschrieben. Also - außer, dass es um Frauen geht, gibt es da fast nur Unterschiede.
VIVA: Mögen Sie "Sex and the City"?
Annette Frier: Die erste Staffel war schon originell. Später wurde mir das Ganze zu formelhaft und konstruiert. Die Filme brauche ich nicht wirklich.
VIVA: In "Wir müssen reden" spielen Sie unter Ihren tatsächlichen Vornamen. Die beiden Freundinnen heißen Annette und Cordula. Wie viel Frier und Stratmann steckt sonst in den Rollen?
Annette Frier: Wir tragen private Verhaltensweisen in die Rollen, aber nicht unser konkretes Privatleben. Die beiden Rollen haben wir uns selbst überlegt, sie stehen fest. Da ist eine Frau mit Kind, aber ohne Mann. Und es gibt eine Frau mit Mann, aber ohne Kind - ungewollt. Eine Kombination, die viel Stoff hergibt.
VIVA: Frau Frier, Ihre Figur Annette ist von Beruf Physiotherapeutin. Was ist daran spannend?
Annette Frier: Ich liebe gute Physiotherapeuten und interessiere mich auch sehr für Osteopathie. Das sind spannende Berufe. Vielleicht, weil sie ganz andere Sachen machen als ich. Die kommen abends mit einer ganz anderen Art von Müdigkeit nach Hause. Sie haben, oftmals schweigend, mit den Körpern gearbeitet. Vielleicht müssen sie deshalb abends so viel reden. Bei mir wird den ganzen Tag immer nur geredet. Da will man abends vielleicht mal die Klappe halten.
VIVA: Frau Stratmann, haben Sie sich Ihre Rolle als Assistentin der Geschäftführung eines kleinen Hörbuchverlags auch nach privatem Interesse ausgesucht?
Cordula Stratmann: Natürlich. Ich liebe das Verlagswesen. Das Arbeiten mit schönen Texten. Das Herstellen von Büchern oder Hörbüchern fasziniert mich. Dazu bietet diese Figur wunderbare Möglichkeiten, weil sie sich gern mit Prominenten schmückt, denen sie während ihrer Arbeit begegnet. Was ich übrigens privat total bescheuert finde - sich mit Prominenten zu schmücken (lacht). Eine saudoofe Idee, aber für die Figur total klasse. Dass die so ein bisschen verschämt stolz darauf ist, auf der Arbeit Promis zu begegnen ...
VIVA: Sie sind seit zehn Jahren Freundinnen. Man soll ja Freundschaften nicht analysieren. Wissen Sie dennoch, warum Sie miteinander befreundet sind?
Cordula Stratmann: Sie als Mann wollen Ihre Freundschaften vielleicht nicht so gerne analysieren. Frauen tun das allerdings ständig. Wir wissen, warum wir Freundinnen sind, aber das ist in unserem Herzen und bleibt privat.
Annette Frier: Ich habe Cordula erst neulich eine private Liebeserklärung gemacht. Aber den Inhalt, den kennen nur wir. Es reicht, wenn uns die Leute im Fernsehen dabei zusehen dürfen, wie wir uns als Freundinnen in fiktiven Figuren verhalten.
VIVA: "Wir müssen reden" spielt bei einem italienischen Restaurant in Köln. Haben Sie sich den Laden ebenso selbst ausgesucht wie die Charaktere?
Annette Frier: Chinesisch ist nicht so mein Ding, und der Argentinier hat zu viel Fleisch auf der Karte (lacht). Nein, nein, das ist alles rein dienstlich. Den Italiener, bei dem wir drehen, den gibt es tatsächlich - am Lenauplatz in Köln. Es ist aber nicht unser privater Stammitaliener.
VIVA: Nach "Schillerstraße" nun also ein neues Format ohne Drehbuch. Frau Stratmann, was fasziniert Sie am Improvisieren?
Cordula Stratmann: Ich mag diesen Moment, in dem etwas entsteht. Ich liebe es, Leuten dabei zuzusehen, wie sie gerade im Kopf etwas zusammenbauen. Aufgeschriebene Witze finde ich dagegen meistens nicht lustig. Es gibt bestimmte Gag-Strukturen, die immer wieder bedient werden. Wenn man die gut rüber bringt, gilt man als Komiker. Diese Art zu arbeiten, reizt mein Lachzentrum nicht so sehr. Am Witzeerzählen finde ich lediglich komisch, mit welch kindlicher Erwartung der Erzähler sagt: "Pass auf, gleich lachste Dich kaputt!" Über diese Ankündigung lach ich mich tatsächlich kaputt, da kann hinterher kein Witz mehr mithalten.
Eric Leimann
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