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Tschau ZDF - Servus SAT.1

Thomas Kausch ist neuer SAT.1-Nachrichtenmann (ab Montag, 30. August, 18.30 Uhr)

Thomas Kausch wechselt vom ZDF zu SAT.1, wo er neuer Anchorman der Hauptnachrichten wird. (Bild: ZDF)
(tsch) Bei Thomas Kausch überschlagen sich die Kritiker mit Lob. "Derzeit der lässigste Nachrichten-Moderator", beschreibt ihn die Münchener "Abendzeitung". "Er wird groß rauskommen. Denn er ist locker, ohne sich anzubiedern. Er ist frech, aber nicht aggressiv. Seltene Tugenden", schrieb der Berliner "Tagesspiegel". Das hat wohl auch dazu geführt, dass eines Abends SAT.1-Chef Roger Schawinski vor der Tür des 41-jährigen "heute nacht"-Moderators stand und gefordert haben soll: "Ich will Sie. Ich rede mit keinem anderen". Wieso? Zum einen sei er der "kompetenteste und begabteste Anchorman Deutschlands". Zum anderen suchte Schawinski ein neues Zugpferd für das angeschlagene "18:30"-Format des Senders. Und Kausch ließ sich nicht zweimal bitten: Ab Montag, 30. August, moderiert er nun aus Berlin die Hauptnachrichtensendung bei SAT.1. Mehr noch: Für den 41-Jährigen wurde eigens eine Position geschaffen: Er ist der "Leiter der Information".

So, wie Thomas Kausch seine Anmoderation präsentiert, kommt der Zuschauer um den Begriff "abgeklärt" nicht rum. Im ZDF-Nachtprogramm erreichte Kausch rund eine Million Haushalte. "Ich moderiere meistens aus dem Bauch heraus und schaue, was dabei herauskommt", erklärt er. Flapsiger Typ? Kausch ist Vollprofi, nur ein abgebrühter eben. Der gebürtige Westfale studierte Politik, Deutsch und Englisch in Münster. 1992 fing er als Aushilfe im New Yorker ZDF-Büro an. Er berichtete aus Kriegsregionen wie Bosnien, Somalia, Ruanda, wurde nach Tokio geschickt. Danach war er Südosteuropakorrespondent in Wien "Die Reporter- und Korrespondententätigkeit war meine Kinderstube." 2001 ging er nach Mainz, nun sitzt der Journalist in Berlin - auf dem Chefsessel.

Kausch hat den Posten "Leiter Information" bei SAT.1 übernommen: Unter seiner Regie soll künftig stärker mit dem konzerneigenen Nachrichtensender N24 zusammengearbeitet werden. "Bei der 'Tagesschau' gibt es die Redaktion 'ARD Aktuell', die aus allen Rundfunkanstallten des Landes zugeliefert bekommt. So kann man sich das auch bei uns vorstellen: Zwei autarke Sender, die in einem Verbund zusammenarbeiten werden." Das Einzige, das vom ursprünglichen Format "18:30" bleiben wird, ist die Sendezeit. Ein Name steht noch nicht fest.

Höher, schneller, weiter: Mehr Gäste aus Politik und Wirtschaft sollen zu Kausch ins Studio kommen, der Zuschauer soll aktuelle Informationen zuerst bei SAT.1 sehen - so die erklärte Kampfansage des Senders an die Konkurrenz. Mit dem neuen Nachrichten-Format wollen die Berliner die Informationskompetenz stärken und SAT.1 als viertes Vollprogramm neben ARD, ZDF und RTL etablieren. "Es wird ein größeres Studio im neuen Design geben, in dem ich nicht nur am Pult sitzen werde", erklärt Kausch. Multifunktional, aber ohne Touchscreens: "Ich will keinen Schnickschnack im Sinne von 'Wir haben die neueste Technik und können tolle Dinge damit machen, die allerdings kein Mensch braucht." Moderner und schicker stellt sich der Medienmann die Sendung vor, und wenn Thomas Kausch das sagt, glaubt man es ihm auch. "Wenn man sich schon anmaßt, Moderator zu sein und den Leuten erklären zu wollen, was wichtig und was unwichtig ist, dann muss es auch sinnvoll gemacht sein." Ob er seine Abmoderation von "heute nacht" beibehalten wird ("Tschau sag' ich auch, wenn ich nicht auf Sendung bin"), weiß er noch nicht. "Das mit dem 'Tschau' habe ich mir damals fünf Minuten vor meiner ersten 'heute'-Sendung überlegt."

Thomas Kausch wollte als Kind Müllmann werden, "weil man hinten auf fahrenden Müllautos stehen kann". Heute hat er ein Sakko an, und die "Süddeutsche" und "Bild" liegen auf dem Frühstückstisch. Den "Wiesbadener Kurier" tauscht er allerdings mit dem "Tagesspiegel" als morgendliche Pflichtlektüre, wenn er in die Hauptstadt zieht. Hat er denn nun noch weniger Zeit für seine Frau, ebenfalls Journalistin, und die achtjährige Tochter Pauline? "Nein, ich bin nun früher zu Hause als beim ZDF." Noch vor kurzem kam Kausch nach der Spätausgabe von "heute" erst um ein Uhr nachts zurück nach Wiesbaden. "Meine Familie hat sich sehr auf Berlin gefreut", versichert er. Die Möbel stehen bereits in der Wohnung in Wilmersdorf. Ob er sich freut? Kausch lacht: "Aber ja, nur werde ich in den nächsten 20 Jahren wohl keinen Urlaub mehr machen können."

Ingo Gentner

  Homepage des Senders

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