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Pures Entertainment

Thorsten Havener Der Magier steigt mit der "Der Gedankenleser - Ein Mann sieht alles" ins TV-Geschäft ein (So., 02.01., SAT.1, 19.15 Uhr)

Will in "Der Gedankenleser - Ein Mann sieht alles" für ähnliche Furore sorgen, wie Uri Geller: Thorsten Havener. (Bild: Nicole Manthey / SAT.1)
(tsch) Ein wenig erinnert er an den Schauspieler Erol Sander: schwarzer Anzug, weißes Hemd, gepflegtes Äußeres, tiefgründige Augen und ein offenes Lächeln. So tritt Thorsten Havener bei allen möglichen Veranstaltungen auf, sogar bei den Kickern des FC Bayern München, die danach wohl mindestens ebenso verblüfft waren wie bei einer Heimniederlage in der Bundesliga. Der 32-Jährige zählt zu den bekanntesten Magiern Deutschlands. Obwohl: Ein Zauberer im klassischen Sinne ist er nicht, eher sieht er sich als Mischung aus Psychologe, Gedankenleser und Entertainer. Jetzt holt SAT.1 den smarten Familienvater ins Fernsehen. Am Sonntag, 2. Januar, 19.15 Uhr, läuft die erste Ausgabe von "Der Gedankenleser - Ein Mann sieht alles". Weitere Shows mit dem Mann, der, wie Uri Geller, angeblich kraft seines Geistes Gegenstände bewegen kann, werden folgen. In Experimenten mit Prominenten und völlig unbekannten Probanden, mit Einzelpersonen und der anonymen Zuschauermasse zu Hause, will er zeigen, dass er die Kunst der unbemerkten Suggestion beherrscht wie kein Zweiter. Die einen sind gespannt, die anderen haben ihre Messer schon gewetzt. Und wir riefen ihn einfach an.

Thorsten Havener verfügt über außergewöhnliche Konzentrationsfähigkeit und Gedächtniskapazitäten. (Bild: Nicole Manthey / SAT.1)
VIVA: Herr Havener, SAT.1 verspricht mit dem Titel "Der Gedankenleser - Ein Mann sieht alles" eine ganze Menge. Was soll das heißen: Sie sehen alles?

Thorsten Havener: Sagen wir, ich sehe vieles. Meine Experimente beruhen zu 90 Prozent darauf, dass ich mein Gegenüber genau einscanne und einfach alles, was er an mich kommuniziert, aufnehme - bis ins kleinste Detail. Dadurch sind unglaubliche Resultate möglich, die aussehen wie Zauberei.

VIVA: Geben Sie ein Beispiel!

Havener: Wir haben eine Sequenz gedreht, in der eine Frau einen Gegenstand irgendwo im Kaufhaus versteckt. Meine Aufgabe ist es, den Gegenstand aufzuspüren. Ich sehe mir die Dame an, ich berühre sie, und dann führe ich sie genau zu dem Versteck.

VIVA: Wie soll das gehen?

Havener: Ich bin in der Lage, die kleinsten Abweichungen von Mustern wahrzunehmen und sofort meine Schlüsse zu ziehen. Außerdem verfüge ich über außergewöhnliche Konzentrationsfähigkeit und Gedächtniskapazitäten.

VIVA: Besteht Ihr Talent also darin, dass Sie andere Personen besonders intensiv und komprimiert wahrnehmen und dass Sie schneller und exakter als andere von Äußerlichkeiten auf Psyche und Gedanken schließen können?

Havener: So könnte man das sagen. Aber ich muss das erst einschalten. Ich mache das nicht andauernd.

VIVA: Funktioniert das auch am Telefon?

Havener: Ich weiß nicht. Es wäre einen Versuch wert. Aber es kann danebengehen. Wollen Sie sich darauf einlassen?

VIVA: Warum nicht!

Havener: Dann denken Sie jetzt bitte an Ihr Sternzeichen und stellen Sie sich das Wort in Großbuchstaben vor!

VIVA: Und?

Havener: Es ist ein "M" dabei, richtig?

VIVA: Nein. Definitiv nicht.

Havener: Hmmmmm. Würden Sie bitte die ersten Buchstaben des Alphabets laut vor sich hin sagen!

VIVA: A, B, C, D, E ...

Havener: Also gut. In Ihrem Sternzeichen ist ein "E". Ich sehe auch ein "U", ein "T", ein "S", wobei dieses "S" zu einem "SCH" gehört. Sie sind Schütze!

VIVA: Das ist korrekt.

Havener: Tut mir leid, dass es ein bisschen gedauert hat. Auf diese Weise ist es eben extrem schwierig, normalerweise sehe ich mir die Leute an.

VIVA: Wie kamen denn die Buchstaben bei Ihnen an?

Havener: Stellen Sie es sich vor, wie bei einem riesigen Reklameschild, auf dem die Buchstaben nacheinander aufleuchten. Aber nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge ...

VIVA: Es ist leichter für Sie, wenn Sie Ihrem Gegenüber direkt in die Augen schauen?

Havener: Absolut. Die Augen sind das Wichtigste. Ich suche immer den intensiven Augenkontakt, was manche Leute mitunter verunsichert. Auch Gesten spielen eine große Rolle.

VIVA: Das hört sich alles weniger nach Zauberei an als nach Psychologie. Mit Karten oder Horoskopen haben Sie nichts am Hut?

Havener: Überhaupt nicht. Ich arbeite manchmal mit Spielkarten, aber nur, weil es Symbole sind, die jeder kennt. Ich bin fernab von Kartenlegern und Astrologie. Ich bin auch niemand, der mit Wünschelruten durch die Gegend läuft.

VIVA: Glauben Sie etwa nicht an Astrologie?

Havener: Das habe ich nicht gesagt. Ich halte von Astrologie, wenn sie richtig gemacht ist, eine Menge. Aber Zeitungshoroskope und dergleichen sind in meinen Augen blanker Unsinn.

VIVA: Was genau sind Sie, Herr Havener? Ein Psychologe, ein Zauberer? Ein Hellseher? Oder gar ein Wunderheiler?

Havener: Ich sehe mich ausschließlich als Unterhalter. Das ist pures Entertainment. Alles, was irgendwie in eine therapeutische Richtung geht, mache ich nicht.

VIVA: Sie haben mal als Zauberkünstler angefangen.

Havener: Ja, aber mit ungefähr 19 Jahren merkte ich, dass mich das andere mehr reizt. Ich habe mich dann in alles, was mit Sprache, Wahrnehmung und Hypnose zu tun hat, immer mehr reingesteigert.

VIVA: Wie genau wurde Ihnen dieses Talent bewusst?

Havener: Während des Studiums. Ich habe Dolmetscher studiert. Da hat man wahnsinnig viele Redner vor sich, meistens Professoren. Ich konnte einfach an deren Körpersprache und aus Verhaltensmustern viel ableiten. Und wenn ich mich konzentrierte, wusste ich genau, was sie als nächstes erzählen würden. Das klappte immer besser, irgendwann dachte ich mir, dass ich da mehr draus machen könnte. Ich bildete mich weiter in NLP ("neurolinguale Programmierung", die Red.), Hypnose und Psychologie, besucht Seminare, und schließlich wurde aus der Beobachtung die Wahrnehmung. Auch ohne das gesprochene Wort wird der Gedanke sichtbar!

VIVA: Ist das manchmal auch eine Last?

Havener: Ich sage ja: Ich muss das einschalten. Ich kann es also genauso gut sein lassen, wenn ich keine Lust habe. Ich habe gewisse Fähigkeiten, aber es ist nicht so, dass ich jede Situation, die sich mir im Alltag bietet, ausnutze.

VIVA: Da kommt einen Mel Gibsons Film "Was Frauen wollen" in den Sinn ...

Havener: (lacht) Glücklicherweise ist das bei mir nicht so wie bei dem armen Kerl im Film. Über ihn ist das Ganze regelrecht reingestürzt. Meine Lieblingsszene ist die, in der eine Gruppe Joggerinnen an ihm vorbeirauscht und er unter dem Lärm ihrer Gedanken zusammenbricht. Gott sei Dank höre ich keine Stimmen!

VIVA: Ich fürchte, Sie können auch bei Sportwetten oder beim Lotto keinen Nutzen aus Ihrer Gabe ziehen!

Havener: Nein. Das ist mir nicht möglich. Aber ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass irgendwann jemand eine Technik entwickelt, mit der solche Vorhersagen gelingen könnten. Was ich dagegen kann, ist, bis zu einem bestimmten Grade Lüge von Wahrheit zu unterscheiden. Und ich bin in der Lage, Ihnen gewissermaßen meine eigenen Ideen einzupflanzen.

VIVA: Sie meinen Manipulation?

Havener: Das ist ein negativer Ausdruck, aber man kann es so nennen. Ein Beispiel: Ich lege Ihnen fünf Dinge auf den Tisch, vorher habe ich mir eines davon ausgesucht und auf einem Zettel notiert. Dann kann ich sie, ohne dass sie es merken, so beeinflussen, meinen Gedanken so in Ihnen verankern, dass Sie mir genau das Teil aushändigen werden, das auf dem Zettel steht.

VIVA: Mit dieser Fähigkeit müssen Sie leichtes Spiel haben im Leben. Zum Beispiel bei der Damenwelt ...

Havener: (lacht) Nein, nein. Da haben viele Leute ein ganz falsches Bild. Es ist wie in der Hypnose. Da ist es auch nicht möglich, jemanden in Trance zu versetzen und eine Idee einzupflanzen, die der moralisch oder ethisch nicht vertreten kann. Ich könnte Sie zum Beispiel nie dazu bringen, dass Sie in Trance Ihrem Chef auf die Backe hauen. Sie würden sofort aufwachen und sagen: 'Das mache ich nicht!' Und ich hätte als Hypnotiseur meine Glaubwürdigkeit für immer verloren. Ihr Wille ist immer stärker. Er ist die Grenze.

VIVA: Sie haben den Rummel nach der "Uri Geller Show" von RTL sicher mitbekommen. Haben Sie Angst, dass auch nach Ihrer Show die Wissenschaft auf den Plan tritt, um Ihre Sendung zu zerpflücken?

Havener: Nein, überhaupt nicht. Dass es Diskussionen geben wird, ist klar. Das ist kein Problem. Im Gegenteil: Ich wäre froh, wenn wir die Leute ein bisschen reizen könnten. Es werden sich drei Lager bilden: die absolut Gläubigen, die Skeptiker und die Neutralen.

VIVA: Wird es Ihnen gelingen, die Hardliner unter den Skeptikern zu überzeugen?

Havener: Nein. Es gibt einen sehr guten Satz von Theodore Annemann (ein legendärer Mentalmagier, 1907 - 1942, die Red.): "Für diejenigen, die keine Erklärung möchten, ist keine nötig; und für diejenigen, die eine Erklärung möchten, wird keine ausreichen." Genau das trifft es. Wer sagt, das ist alles Humbug und Schwachsinn, wird auch nach meiner Show nicht überzeugt sein. Aber das ist gar nicht mein Ziel. Ich will doch keine Religion gründen oder so etwas.

VIVA: Sie legen großen Wert auf Seriösität.

Havener: Ja, sonst würden meine Auftritte oder jetzt die Fernsehshow nicht funktionieren. Es passiert manchmal, dass mich nach einem Auftritt jemand fragt: "Mein Kind ist krank, können Sie mir helfen?" Ich sage diesen Leuten ganz klar, dass sie zum Arzt gehen sollen, nicht zu mir. Dass ich mentalmagische Techniken kenne und in meinem Feld anwenden kann, heißt nicht, dass ich heilen kann!



Frank Rauscher

  Homepage Thorsten Havener

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