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| "Ich bin eine Promenadenmischung"
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Jürgen von der Lippe
spielt den Inselpfarrer in der Comedy-Serie
"Der Heiland auf dem Eiland" (RTL, ab Mi., 23.2., 21.45 Uhr)
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Zwölf Jahre machte er die Samstagabendshow "Geld oder Liebe" im Ersten. Inzwischen ist Jürgen von der Lippe auf allen Kanälen zu sehen. Nach der ersten Staffel von "Der Heiland auf dem Eiland" wird die Erfolgs-Comedy nun bei RTL fortgesetzt.
(Bild: ARD)
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(tsch) Philosophenbärtchen und buntes Buschhemd sind sein Markenzeichen. Zwölf Jahre lang, von 1989 bis 2001, unterhielt Jürgen von der Lippe mit der Erfolgssendung "Geld oder Liebe" die Massen. Einer Folgesendung bei der ARD, "Lippe blöfft", war ab Februar 2004 nicht der gleiche Erfolg beschieden. Doch Lippe ist - Sender übergreifend - mit weiteren Shows ("Wat is?"), mit Comedy-Jahresrückblicken (SAT.1) und Comedy-Serien wie "Der Heiland auf dem Eiland" (RTL, ab Mittwoch, 23. Februar) weiterhin flächendeckend auf dem Bildschirm vertreten. Hinzu kommen seine jährlichen Mammut-Tourneen, mit denen er die Hallen von Berlin bis München füllt, außerdem Bücher und CD-Alben. Schließlich hatte Jürgen von der Lippe (56), der eigentlich Hans-Jürgen Dohrenkamp hieß, als Liedermacher angefangen. Anlässlich des RTL-Serienstarts sprachen wir mit dem Entertainer.
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Pfarrer Erdmann (Jürgen von der Lippe) in "Der Heiland auf dem Eiland" (RTL, ab 23.2.,20.15 Uhr), hier mit seiner Mama (Dorothea Walda), die ihn unangekündigt auf Soonderney besucht.
(Bild: RTL)
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VIVA: Die Rolle des Pfarrers macht Ihnen offensichtlich immer wieder Spaß.
Jürgen von der Lippe: Stimmt. Pfarrer habe ich bereits etliche Male gespielt. Wie oft, weiß ich nicht mehr so genau, aber es ging bereits in den 80-ern los. Zwischen Komikern und Pfarrern gibt es ja eine große Schnittmenge: Beide sind ja auf ihre Weise sehr besorgt um die Gemeinde.
VIVA: Sehr ernst ist dieser Geistliche, den Sie in der Comedy-Serie "Der Heiland auf dem Eiland" spielen, wohl nicht gemeint. Er schreckt vor der Klamotte eher nur ungern zurück.
von der Lippe: Pfarrer Erdmann ist bekanntlich strafversetzt und versucht nun auf der Insel Soonderney zu überleben, so gut es eben geht. Die Gemeinde, die er hat, ist ja glaubenstechnisch noch bei Odin angesiedelt, eine Slapstick-Gemeinde, die des Pfarrers ganze Energie auf sich zieht. Was den Job des Pfarrers anbetrifft, so hat der natürlich von jeher seinen dramatischen Reiz. Denken Sie nur an das Zölibat, also daran, dass der ja nicht darf. Aber dadurch, dass er die Beichte abnimmt, nimmt er ja stets an allem Weltlichen teil.
VIVA: Haben Sie sich nicht mit Ottfried Fischer und seinem 'Pfarrer Braun' in die Wolle gekriegt?
von der Lippe: Ach wo, Ottfried macht bei der ARD 90-Minüter. Außerdem liegt der Stoff natürlich immer mal wieder in der Luft, spätestens seit "Don Camillo". Geistliche Serien sind halt ein ewiges Erfolgsformat, denken Sie beispielsweise an die Speidel-Serie "Um Himmels Willen".
VIVA: Gesendet wird - nach der erfolgreichen ersten - jetzt die zweite Staffel. Haben Sie denn an den Büchern mitgeschrieben?
von der Lippe: Die erste Staffel war eine der erfolgreichsten Neuproduktionen bei RTL, wir blicken bereits hoffnungsvoll auf eine nächste. Direkt mitgeschrieben habe ich nicht, aber wir bringen uns immer wieder heftig beim Drehen ein, um die Gagdichte zu erhöhen. Es gibt am Set eine äußerst kreative Atmosphäre.
VIVA: Anders als manche Ihrer Kollegen, machen Sie selber nicht die Produktion.
von der Lippe: Ich bin der Auffassung, dass die Kunst und das Merkantile nicht in eine Hand gehören. Mich interessiert das einfach nicht. Außerdem liefe ein Ineinandergreifen darauf hinaus, dass ich bei Maximalforderungen als Produzent ja meinen Wert als Künstler in Frage stellen müsste.
VIVA: Sie sind Komiker, Entertainer. Aber Schauspielen haben Sie auf keiner Akademie gelernt.
von der Lippe: Ich bin ja eigentlich eine Promenadenmischung. Ich habe mit dem Singen angefangen, stehe über 30 Jahre auf der Bühne und spiele live vor Publikum. So um die drei- bis viertausend Vorstellungen kommen inzwischen wohl zusammen. In dieser Zeit lernt man eine ganze Menge darüber, wie man komische Wirkungen erzielt, sicherlich mehr als auf jeder Schauspielschule. Übrigens werde ich irgendwann auch Theater spielen.
VIVA: Mit ihrem Programm "Alles, was ich liebe" sind Sie gerade wieder auf Deutschland-Tournee. In Berlin treten Sie gleich mehrere Wochen en suite auf - und das überaus erfolgreich.
von der Lippe: Bei meiner letzten Tournee in Berlin kamen dort insgesamt 40.000 Leute. Das würde ich diesmal gern noch toppen. Live-Comedy auf der Bühne, das ist mein Beruf. Alles andere, einschließlich Fernsehen, ist nachgeordnet. Aber die Abwechslung ist für mich schon sehr wichtig. Bis auf Theater habe ich auf dem Gebiet der Unterhaltung - außer Synchronschwimmen und Ausdruckstanz - so ziemlich alles gemacht.
VIVA: Sie lieben Live-Auftritte über alles?
von der Lippe: Die Tournee, das ist nun mal die Königsdisziplin. Ich starte alle drei Jahre mit einem komplett neuen Programm. Wenn man sein Publikum nicht pflegt, dann riskiert man ja auch, dass man es verliert. Das Schöne ist dabei aber auch: Man ist völlig frei, ohne dass einem jemand reinredet.
VIVA: Ihre Sendung "Lippe blöfft" im Ersten machen Sie nicht mehr?
von der Lippe: Die ging nach drei Folgen nicht mehr weiter. Wir haben es vom Sender 14 Tagen nach der letzten Sendung erfahren.
VIVA: Ist bereits etwas Neues in Sicht?
von der Lippe: Ich muss der Welt ja nichts mehr beweisen. Klar mache ich Fernsehen sehr gern. Aber ein neues Konzept, das wirklich Spaß macht, das haben wir noch nicht. Mein regelmäßiger Jahresrückblick bei SAT.1 ist sehr erfolgreich. SAT.1 möchte einen zusätzlichen Halbjahresrückblick im Juni machen, und darüber hinaus basteln wir an verschiedenen Konzepten. Außerdem arbeite ich an zwei Büchern. Man muss sich also um mich keine Sorgen machen.
VIVA: Vom politischen Kabarett halten Sie eher wenig.
von der Lippe: Für mich ist ein Kabarettist ein Comedian mit eingeschränktem Themenbereich. Früher begnügten sich die Kabarettisten damit, den Zeigefinger zu heben und versicherten sich dabei, der selben Meinung wie ihr Publikum zu sein. Durch den neuen Comedy-Boom haben die Kabarettisten allerdings dazugelernt. Auch sie sind inzwischen komischer geworden. Für mich bedeutet Komik mehr - die Auseinandersetzung mit menschlichen Schwächen und Gebrechen. Mein Lieblingsthema ist übrigens der Unterschied zwischen Frauen und Männern, deren Unterschiede in Triebstruktur und im Intellekt.
VIVA. International stehen wir nicht so gut da, was Humor und Komik anbetrifft.
von der Lippe: Wir sind nicht das Mutterland des Humors. Die Briten haben ihren Schwarzen Humor, in Amerika hat jede Kleinstadt ihren Comedy-Club zum Üben. Bei uns sind während des Dritten Reichs alle jüdischen Intellektuellen vertrieben oder umgebracht worden, damit wurde auch der aus einer langen Tradition hervorgegangene jüdische Witz vernichtet. Es wahr ein Kahlschlag, der nicht folgenlos blieb.
Wilfried Geldner
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